GerhardKern.de Ideologie- und Gesellschaftskritik

25.9.2017

Die Wahl

Filed under: Politik — Gerhard A. Kern @ 13:59

Die Wahl 2017

Nun liegt das Ergebnis einer Wahl vor, welches eigentlich bestätigt, was vorhersehbar war.

Die rechtsradikale Stimmung überwiegt, wie auch in anderen Ländern der Welt, auch in Deutschland und bildet das auch im Wahlergebnis vom 24. September des Jahres ab. Auch die neue Regierungsbildung bestätigt den Trend, denn durch die wahrscheinlich regierenden Parteien wird deutlich, dass der Zug nach Rechts weiter fährt.
Nun soll hier zumindest der Begriff „Rechts“ etwas näher beschrieben sein, damit überhaupt klar wird, was gemeint ist. Bekanntlich wird das Parlament in einem Spektrum „Links“ bis „Rechts“ angeordnet und beschreibt damit die eher progressiven versus den konservativen Kräften in der Gesellschaft. Die Mitte bilden dann die liberalen Kräfte, die wiederum in links- oder rechtsliberale unterschieden werden. Gemäß der bürgerlichen Vorstellung entstehen somit Ränder, die als radikal – im Rahmen der Verfassung – oder als extrem – eben außerhalb – derselben bezeichnet werden. Den Rahmen gibt übrigens der Staat mit seinem Gewaltmonopol vor. In welchem Spektrum die deutschen Parteien angesiedelt sind, bleibt dem Betrachter überlassen. Fragen Sie sich, wo da z.B. die CDU oder die Grünen und andere angesiedelt sind.

Nun gibt es historisch eine ständige Bewegung in den politischen Bewegungen zwischen den Rändern. Mal überwiegt die eine oder auch die andere Tendenz und manchmal wird der Verfassungsrahmen überschritten und extreme Bewegungen (z.B. NSDAP oder SED) übernehmen die Herrschaft im Staate.

Im Jahre 1997 wurde von Waltraud und mir eine Textsammlung mit dem Titel „Tendenz Rechts“ herausgegeben. Fast alle dort beschriebenen Entwicklungen haben sich fast punktgenau realisiert. Fast niemand hat die Warnungen vor den sich anbahnenden esoterischen, anti-aufklärerischen und vor allem völkischen Tendenzen so ernst genommen, wie sie gemeint waren. Als harmlose Spinnereien wurden sie (die Tendenzen) unterschätzt und das heutige Ergebnis der Bundestagswahl war so vorauszusehen.

Noch wird der Rechtsextremismus die Herrschaft nicht übernehmen; doch die Weichen sind gestellt. Die Konstitution der neuen Bundesregierung wird wahrscheinlich die Tendenz Rechts nicht stoppen, sondern nur erträglicher machen. Längst sind Elemente der radikal oder gar extremen Rechten in den Parteien verankert und schwelen wie die Glut, die zum Feuer werden kann. Derzeit sehe ich keine Partei, ob in Herrschaft oder Opposition, die sich mit diesem Phänomen genügend auseinandersetzt. Im Gegenteil, sie fordern Abschiebung, Sicherheit und Wirtschaftswachstum in „diesem schönen Land“.

„Heimat, Regionalismus oder rückwärts gewandter Nationalismus“ statt offener Gesellschaft nicht nur hier, sondern für den ganzen Globus; „Konsens durch Kontroversen“ (sinngemäß) wäre vielleicht auch in Deutschland ein Mittel zur Verhinderung rechter Herrschaft*.

Wie ich schon wiederholt an anderer Stelle gefordert habe, wäre es eine „Hausaufgabe“ für jene, welche die gefährliche Reise nach Rechtsaußen verhindern wollen, ein altes Buch zu studieren und das eigene Bewußtsein zu schärfen.

Studieren Sie „Die völkische Revolution“ von George L. Mosse. Erschienen 1991 im Athenäum Verlag. (Originalausgabe: The Crisis of German Ideology.).

Wie heißt es so schön in vielen politischen Reden heutzutage?: „Die sollen erst mal ihre Hausaufgaben machen“.

Anmerkung:
*Präsident Macron

17.12.2016

2016

Filed under: Politik,Privat — Gerhard A. Kern @ 17:58

2016
Das Jahr hat es in vieler Hinsicht „in sich“.
Bedingt durch unseren schon in 2015 initiiertem Bereich „Mensch& Kultur“ blieb die Pflege des Kern-Blog’s „Ideologie und Gesellschaftskritik“ vernachlässigt. Obwohl gerade in letzter Zeit eine große Notwendigkeit bestand zu dieser oder jener gesellschaftlichen Entwicklung Stellung zu beziehen. „Mensch & Kultur“ veranstaltete dafür Vorträge und Diskussionen zu den Themen „Selbstbestimmung und Würde des Menschen – Versprechen oder Wirklichkeit“ mit der Psychologin Aristoula und dem Soziologen Christian Papapopoulos, „Welche Gesellschaft wollen wir?“ mit der Bundestagsabgeordneten von Bündnis90/Die Grünen Corinna Rüffer, „Der Mensch – Ein biologischer Roboter, Eine Kritik des evolutionären Humanismus“ mit dem Politologen Peter Bierl, „Care-Revolution, Wege in eine solidarische Geellschaft“, mit der Prof. Dr. Gabriele Winker, „Und weil der Mensch ein Mensch ist – Aber was hat das mit behinderten und alten Menschen zu ?“ mit dem Papadopoulos-Duo und als Abschluß ein Schauspiel-Monolog mit Christian Wirmer zum „LENZ“ von Büchner.
Diese Tätigkeiten und kurze Stellungnahmen zu dem Flüchten und den Wanderungen von Menschen aus Notgebieten und die teils hässlichen Kontroversen auf Facebook zu den politischen Standpunkten haben auch zur Vernachlässigung des Kern-Blos geführt. Ich gelobe Besserung und Selbstkritik und habe somit einen guten Vorsatz für 2017.
Meine ganz persönliche Stellung zur „Flüchtlingspolitik“, deren Begrifflichkeit derzeit debattiert wird, hier nun in aller Kürze, wobei jeder Satz auch diskutiert werden kann.
Der Gestus der „Willkommenskultur“ ist m.E. ein kluger Schachzug der Staatsführung, dessen Sinn wohl kommerzielle „Gesundung“ der Nation im Gefüge einer globalisierten Welt ist. Wirtschaftlich potente Staaten/Nationen sind die Voraussetzung in der ersten „Weltmachtliga“ mitzuspielen. Man heißt die Flüchtenden oder Wandernden willkommen, aber nur wenn sie gut fürs Geschäft sind. Die jene Voraussetzungen, wie Bildung, Geld, Integrations- und Arbeitswilligkeit nicht mitbringen, werden gnadenlos abgeschoben, womit der Anspuch der Humanität sich als Heuchelei entlarvt. Was man wirklich will ist ein gut funktionierendes kapitalistisches System, nicht mehr und nicht weniger.
Die so genannten progressiven Kräfte, auch „Gutmenschen“ genannt, nehmen solcherlei Tatsachen gar nicht wahr und setzen sich über alle rationalen Einwände weg und pflegen mit allen Mitteln ihr christliches Mitleidscredo und argumentieren mit „Werten“, die es in Europa so nicht gibt, die bestenfalls angestrebt werden. Welches dann die richtigen Werte sind, das wissen die Nationalkulturen immer anm besten und wollen diese, ihre Kultur/Werte den anderen Nationen aufzwingen. Es wird gar nicht diskutiert, es wird in guter autoritärer Tradition bestimmt.
Aber auch die konservativen bis rechten Kräfte (Rechts und Links trifft sich immer in der Mitte und die ist immer nach beiden Seiten offen) übersehen geflissentlich die Tatsache, dass es eine Völkerwanderung gibt, die wahrscheinlich noch Jahrzehnte anhalten wird und selbst Grenzen können das nicht aufhalten. Die wandernden oder flüchtenden Menschen wollen Sicherheit, Reichtum und Glück, genau wie jeder Einheimische oder wie die Eingeborenen auch immer genannt werden.
Es grenzt schon an Debilität, wenn die gegensätzlichen Standpunkte mit einer unerträglichen Ansammlung von Hass und Hetze bis hin zu Mord- oder Todesdrohungen untermauert werden.
Vielleicht sind ja die Kassandra-Rufe, welche derzeit vor einem neuen Faschismus warnen, berechtigt und wir sollten bei den politischen Entwicklungen genauer hinsehen und faschistoide Anzeichen benennen und diskutieren.
Meine Hoffnung geht jedenfalls in die Richtung einer selbstkritischen freiheitsliebenden Gesellschaft, die den Anspruch der Humanität in der globalisierten Welt realisieren will.

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