GerhardKern.de Ideologie- und Gesellschaftskritik

12.11.2017

Gustavo Bueno Martinez

Filed under: Uncategorized — Gerhard A. Kern @ 17:45

Es gab und gibt in Europa in der Vergangenheit Ereignisse, die für die zivilisierte Menschheit fast unvorstellbar waren und sind. Auch in der heutigen Zeit haben wir Tendenzen, nicht nur in Deutschland, die und in die Barbarei zurückführen könnten.

Erschreckender Weise hat der (Kultur)Staat, an dessen Wesen doch die Welt genesen soll und der gerade durch diesen philosophischen Hochmut soviel Leid und Verbrechen ermöglicht und durchgeführt hat, mittlerweile eine Führungsrolle in der „westlichen“ Welt übernommen.

Gern sprechen wir allgemein und mit Nachdruck von den Werten Europas. Wenn man nachfragt, was denn gemeint sei, kommen die Menschen schnell in Erklärungsnot und wenn man es etwas genauer wissen will stellt man sehr schnell fest, dass außer Nebel wenig Licht die Frage erhellt. 28 Staaten, 28 Nationen, 28 Nationalkulturen wetteifern um die Hegemonie.

Vielleicht könnte der „Mythos der Kultur“ von Bueno, aus dem Spanischen ins Deutsche übersetzt, aus philosophischer Disziplin einige grundlegende Orientierungen liefern; vor allem eben auch eine grundsätzliche Fragestellung liefern, welche die deutsche Philosophie und ihren Wahrheitsanspruch betrifft. Beim Anspruch „Unserer Werte“ ist es doch völlig unverständlich, wie es denn zu „Auschwitz“ führen konnte.

Anmerkung: Gustavo Bueno Martinez starb am 07. August 2016

22.1.2015

Stratfor

Filed under: Uncategorized — Gerhard A. Kern @ 19:31

The European Union, Nationalism and the Crisis of Europe is republished with permission of Stratfor.“

17.1.2015

Der neue Nationalismus in Europa

Filed under: Uncategorized — Gerhard A. Kern @ 19:05

http://www.stratfor.com/analysis/europe-rediscovers-nationalism#axzz3OphIb9lE

„Europa entdeckt den Nationalismus“ wird mit Genehmigung von Stratfor veröffentlicht.

Sprache: Englisch

4.12.2014

Taking the Strategic Intelligence Model to Moscow

Filed under: Uncategorized — Gerhard A. Kern @ 17:43

Taking the Strategic Intelligence Model to Moscow.

7.3.2014

Ukraine: Dichtung und/oder Wahrheit?

Filed under: Uncategorized — Gerhard A. Kern @ 00:50

 

Ich hielte es für sinnvoll, dass die partielle „Weltgemeinschaft“, besser vielleicht die kapitalistische, klipp und klar formuliert was sie wirklich will. Es geht doch um die Eroberung von Absatzmärkten und um geostrategische Vorteilsnahme. Das könnten Europäer und Amerikaner sagen und es wäre ehrlich. Das Geschwätz von „Demokratie“ und dem „Willen des Volkes“ wäre einfach überflüssig

Wenn derzeit von westlicher Seite behauptet wird, dass die „Besetzung“ der Krim durch die Russen völkerrechtswidrig sei, so zeigt das nur die Verschleierungstaktik der sogenannten demokratischen Politiker, ganz vorne dabei die deutschen. Allein, ihre Diplomatie ist grobschlächtig bis dumm, weil sie durchsichtig einen Krieg anheizt. Man kann nicht von Diplomatie sprechen, wenn die versammelten EU Außenminister den Russen Sanktionen androhen und die NATO indirekt mit militärische Gewalt droht.

„Viele Völkerrechtler sind der Ansicht, dass die NATO dem in Artikel 2 Abs. 4 der UN-Charta formulierten Gewaltverbot zuwidergehandelt habe und der Angriffskrieg gegen Jugoslawien völkerrechtswidrig gewesen sei.“ Zitat aus Wikipedia!

21.1.2014

Ukraine; des Dramas vorletzter Akt

Filed under: Uncategorized — Gerhard A. Kern @ 21:00

Es ist im wahrsten Sinne des Wortes ein “Trauerspiel”, was sich derzeit in dem Schwellenland Ukraine zwischen Westeuropa und Russland ereignet. Fast der gesamte “Westen” vermittelt eine mediale Sicht, die konträr zur Einschätzung der dortigen Lage aus gegnerischem Blickwinkel ist. Aus Mangel an seriösen russisch orientierten Quellen hat der sogenannte Europäer keine Möglichkeit einen möglichst unabhängigen Standpunkt zu entwickeln und somit auch nicht die Voraussetzung für ein verantwortungsvolles politisches Agieren. Er wird ganz “demokratisch” vor den Karren von Großmächten (wohl verstanden West gegen Ost) gespannt, mit deren Intentionen nicht jede/r einverstanden wäre, kennte er/sie die Hintergründe.

Wie das geht, zeigen drei Beispiele.

Der Westen spricht so:

Die liberale Wirtschaftswoche veröffentlicht einen Kommentar von Florian Willershausen.

Herr Willershausen imaginiert einen “Oppositionsführer Vitali Klitschko”als ob es eine Opposition gäbe. Das Klitschko der Wunschkandidat des Westens ist, daran kann kein Zweifel bestehen. Ob er aber diese Opposition wirklich anführt, darf zumindest in Frage gestellt werden. Zu offensichtlich agiert die rechtsextreme Partei Sloboda ganz vorne und mittendrin im Geschehen. Wenn Willershausen sich dann noch zu diesem Satz verführen lässt: “Weder die junge Mittelschicht noch Babukschki, die in Wollmützen auf dem Majdan sitzen und Soljanka kochen, unterstützt die nationalistische Minderheit in ihrem Anarchismus.”, dann muss man schon ein wenig die Kompetenz des Journalisten anzweifeln. Was, Herr Willershausen, hat Nationalismus mit Anarchismus zu tun? Diese Schläger sind schlicht Gewalttäter, die auch in der Ukraine in den Knast gehören. Und auch in anderen Ländern werden meist die zunächst “friedfertigen” Demonstrationen gewalttätig und schlagen wütend auf den vermeintlichen Feind ein.

http://www.wiwo.de/politik/europa/proteste-die-eskalation-in-der-ukraine-ist-hausgemacht/9356064.html

 

Eine völlig andere Sicht er Dinge liefert z.B. die Partei der Regionen aus der Ukraine:

Hier werden die “Revolutionäre” zu Verbrechern interpretiert, ähnlich der Deutung durch deutsche neoliberale Kreise in Bezug auf die aufrührerischen Kräfte in Hamburg. Jene die die Staatsmacht attackieren sind immer die Bösen und mit etwas Geschick ist die Gesellschaft auch davon zu überzeugen. Ob das in der Ukraine gelingen kann, werden die Wahlen im Jahre 2015 zeigen, wenn es hoffentlich nicht zu einem Bürgerkrieg kommt.

http://ukraine-nachrichten.de/erkl%C3%A4rung-pressedienstes-partei-regionen_3857_politik

Vielleicht wäre ja das Interview in der Jungle World vom 9. Januar mit Denis Lewin etwas hilfreich, der u.a. sagt: “Das ist das alte Spiel der Politiker. Vor jeder Wahl wird bei uns (i.d.Ukraine;gk) die Hysterie in Bezug auf Russland, die gemeinsame sowjetische Vergangenheit und die Frage nach der Staatssprache auf die Spitze getrieben. Mit dieser Methode lässt sich die Wählerschaft spalten und anhand weniger Fragen wird deutlich gemacht, für welchen Oligarchen es lohnt seine Stimme abzugeben, wer zu “uns” gehört und wer unser “Feind” ist. Mir scheint, es gibt für uns dennoch einen dritten Weg, nämlich eine unabhängige soziale Entwicklung der Ukraine jenseits jeglicher Blöcke und jenseits neoliberaler Bündnisse.”

Ich kann zwar dem Optimismus von Lewin in Bezug auf den “dritten Weg” nichts abgewinnen, dennoch ist die Aussage mit Blick auf die geschürte Hysterie und der gewollten Spaltung der Gesellschaft nicht von der Hand zu weisen.

17.1.2014

Roma-Bashing im ZDF

Filed under: Uncategorized — Gerhard A. Kern @ 19:33

Das Thema ist brandaktuell und ich dachte, dass ich mir eine Sendung am 16.01.2014 von und mit Maybrit Illner zur “Armutswanderung” ansehen und hören sollte um zu erfahren wie Politiker und Intellektuelle ein Problem lösen könnten. Es war sogar tatsächlich ein indirekt “Betroffener” Roma zugegen. Der Sozialpädagoge Dzoni  Sichelschmidt versuchte den Standpunkt der einwandernden Menschen darzustellen, die so vorschnell von den Polit-Strategen als Betrüger und/oder als potentielle “Sozialschmarotzer” verdächtigt werden und die man dringend wieder rausschmeißen sollte aus dem schönen reichen Deutschland.

Michel D.

Was dann an Argumenten so ausgetauscht wurde, insbesondere von dem Christlich-Sozialen-Union(isten) Herrmann oder von der Duisburger Hausbesitzerin, letztlich aber  auch von   dem Polizeigewerkschafter Wendt war mit Verlaub gesagt zutiefst unsozial, wenn nicht gar rassistisch in einer den Deutschen so eigenen Ausfertigung. Der ansonsten ganz konsequent argumentierende Polizist, war sich dann auch nicht zu schade von den Strafverfolgungsbehörden zu erwarten, das doch die Schulpflicht ohne wenn und aber durchgesetzt werden müsse. Hier zeigt sich eine Ahnungslosigkeit, die verblüfft. Man kann Romakinder nicht in Schulen zwingen, die ein Klima haben, welches den Verfolgten und Verachteten Angst macht. Hier müssten intelligentere Ansätze her, von denen ich bisher noch nichts gehört habe.

Erstaunlich souverän kam der Grüne Özdemir durch den Darstellung seiner, bzw. seiner Herkunftsfamilie rüber. Auch diese waren arm und ungebildet eingewandert und hatten die Schrecken jener Zeit durchleben müssen. So war durchaus etwas Empathie von Özdemirs Seite erlebbar. Die Berliner Stadträtin Giffey  glänzte durch intelligentere sozialdemokratisch grundierte Beiträge und hatte pragmatische Vorschläge.

Natürlich ist es auch richtig, dass es auch bei Flüchtlingen böse Menschen gibt. Doch wurde und wird bei der Debatte so darüber gesprochen, als sei das ein der Ethnie zugehöriges Wesensmerkmal. Wenn schon die German-Angst vor Verbrechern existiert, so wäre es zumindest im paritätischen Maße richtig, die deutschen Gangster vielleicht nicht raus- aber dann eben reinzuschmeißen; in den Knast. Zahlenmäßig wären sie den Roma oder auch anderen Nicht-Deutschen hoch überlegen. Der Versuch Wendts dass in effektiver Weise in die Debatte einzubringen endet spätesten dann aber auch bei ihm im unterschwelligen Nationalismus. So faselten denn letzten Endes alle, außer Sichelschmidt, von “unserem Land” und überhaupt nicht mehr von Europa, welches doch Ziel der aktuellen Politik sein sollte.

Oder habe ich da etwas völlig falsch verstanden? Geht es vielleicht um ein Europa der Vaterländer oder Regionen, wie es die rechten Vordenker so im Sinn haben?

 

*(Rassismusdefinition:  „Wollten wir eine knappe Formulierung wagen, so könnten wir sagen, dass Rassismus vorliegt, wenn eine ethnische Gruppe oder ein historisches Kollektiv auf der Grundlage von Differenzen, ……………..    eine andere Gruppe beherrscht, ausschließt oder zu eliminieren versucht“ (Fredsrickson, S. 173).

14.1.2014

Ukraine im Bann des braunen Marsches?

Filed under: Uncategorized — Gerhard A. Kern @ 14:02

Es lohnt sich durchaus einen Blick auf die dunkle Seite der Machtverhältnisse in der Ukraine in Bezug auf seine Volksheldin Julija Tymoschenko zu werfen. Insbesondere ist dies auch für die Einschätzung der derzeitigen und vom Westen so sehr unterstützten Revolte durch fragwürdige Kräfte in der Opposition sinnvoll. Europäer scheinen ja zum großen Teil mit Scheuklappen behaftet zu sein. So sehr das Motiv der großen Freiheit mitspielen mag; ganz frei von reaktionären und gar faschistoiden Elementen ist die Revolte ganz sicher nicht. Die “Fortsetzung des ‘braunen Marsches’” könnte gar dahin führen, wovon das einfache Mitläufervolk nicht träumen möchte. Die in der Opposition einflussreiche extrem rechte Partei Swoboda ( http://www.zeit.de/politik/ausland/2013-12/ukraine-protest-swoboda-maidan ) lässt jedenfalls keinen Zweifel daran aufkommen, wohin es gehen soll. Dennoch spielt für den Zusammenhalt der Europa-Orientierten die in folgender Buchbesprechung skizzierte schöne Dame ein nicht zu unterschätzende Rolle:

Timoschenko

“Gegenwind aus West

Eine spektakuläre Buchvorstellung in Rom stellt die Herkunft und Vergangenheit der Ex-Ministerpräsidentin der Ukraine in ein neues Licht.

Am 27. November fand in Rom die Präsentation des Buches „Julia Timoschenko – die Eroberung der Ukraine“ des italienischen Journalisten Sandro Teti alias Ulderiko Rinaldini statt. Zufálligerweise am Geburtstag der Protagonistin des Buches.

Während der Präsentation des Buches von Sandro Teti, der als Journalist viele Jahre während des Zusammenbruchs der Sowjetunion dort, und danach im postsowjetischen Raum gearbeitet hat, sagte der Verfasser, dass er sich entschieden habe, sich bewusst gegen den allgemeinen europäischen Trend bei der Beurteilung Julia Timoschenkos zu wenden und betonte, dass sie in Italien als Idol betrachtet wird, und dass er im Detail die Geschichte ihres Werdegangs als Politikerin erkunden wollte.

„Frau Timoschenko (in anderer Transskription Julija Tymoschenko) ist in Italien seit den Tagen des ,orangenen Revolution‘ bekannt, sie ist ein besonderer Mensch mit einer ganz besonderen Frisur; die italienische Presse schrieb viel darüber. Ich als Journalist, der über den postsowjetischen

Raum schreibt, frage mich, warum diese zierliche, hübsche und sehr energische junge Frau, die erst mit 30 Jahren begann ukrainisch zu lernen, so schnell politisch erfolgreich wurde. Ihre Verwandlung in eine perfekte blonde ukrainische Frau, gekrönt mit einem traditionellen Zopf, hat

wirklich keine Parallele in der modernen Geschichte“,sagte Teti. Laut Teti weiß niemand in Italien, selbst die Journalisten nicht, die über postsowjetische Länder schreiben, warum Julia Timoschenko im Gefängnis ist, wer Pavlo Lazarenko ist, wie er mit Timoschenko verbunden ist und dass man ihn in den USA zu einigen Jahren Gefängnis verurteilt hat, und zwar viel länger als Frau Timoschenko.

Das Buch beschreibt im Detail ihre aktive Rolle bei der Verleihung des Titels „Held der Ukraine“ an Stepan Bandera (http://vk.com/Videolll663238_l66037352), der „nach 0ffiziellen israelischen Quellen“ ein „Antisemit, Kriegsverbrecher und Nazi“ ist. Die Tatsache in Timoschenkos Biographie hätte die europäischen Politiker eigentlich alarmieren sollen, blieb jedoch unbeachtet.

Als Ergebnis der Untersuchung hat der Autor eine etwas andere Meinung entwickelt. In seinem Buch hat Frau Timoschenko wenig Ähnlichkeit mit der Heldin einer Protestbewegung oder einer politische Gefangenen, wie man das allgemein im Westen annimmt, sondern sieht wie eine gewöhnliche Kriminelle aus, die sich 2 Jahre lang bei ihren kommerziellen und politischen Aktivitäten ‚überhaupt nicht um die Gesetze scherte. Sie wird als Zerstörerin und nicht als Schöpferin gezeigt, die während der ganzen Zeit ihrer politische Karriere nichts für das Land aufgebaut hat und nur ihren eigenen Interessen diente.

Laut dem Autor endet die Ära Timoschenkos unaufhaltsam, da die Zeit der Politiker, die in ein Studio kommen und zwei bis drei Stunden das Publikum in Atem halten konnten, abläuft. Jetzt wird es schwierig, mit einem schönen Aussehen, spektakulären Attributen und flammenden Reden zu beeindrucken.

Darüber hinaus sind auch diejenigen erwachsen geworden, die einst von den Parolen der „orangenen Revolution“ verführt wurden und anschließend enttäuscht waren.” Zitat Ende.

Anmerkung: Der Beitrag erschien in der Dez,/Jan. 2013/2014 Ausgabe der Jüdischen Zeitung

5.11.2013

Die schönsten Glossen schreibt der Geheimdienst selbst.

Filed under: Uncategorized — Gerhard A. Kern @ 19:24

Auf den Wellen vor dem Strand von Tel Aviv war Surfen schon immer erlaubt. Seit September gilt die Allgemeine Surf-Freiheit in der ganzen Stadt. Der Oberbürgermeister stellte auf dem Rothschild-Boulevard die neue Attraktion vor. Überall in der Stadt gilt freie Fahrt – nicht auf dem Surfbrett, sondern auf dem Notebook, dem Tablet oder den Internet-Apps unserer Smartphones. Da lohnt es nicht mehr, hinauf nach Jerusalem zu fahren oder herunter zum Toten Meer und weiter nach Eilat. Günstiger ist es, sich gleich nach dem Anflug am Hayarkon-Park der 24-Stunden-Stadt niederzulassen und sich die mühselige Rundfahrt auf das Display downzuladen, die Urlaubs-Mails an die Lieben daheim zu senden und die App mit den Börsenkursen anzuticken.

Exakt dazu erreicht uns die zweite Nachricht, dass der verehrten Internetkundschaft neben den 60 neuen Hot-Spots auch eine völlig kostenfreie Aufzeichnung der Datenflüsse mitgeliefert wird. Speichern überflüssig! Das erledigt diskret der Geheimdienst!

Natürlich weiß niemand so ganz genau, was an diesen Gerüchten dran ist. Da lanciert dieser Whistleblower, na, sagen wir Lümmel Edward Snowden aus Moskau oder Sibirien alle Nase lang immer neue Geschichten, die doch streng geheim und deshalb nicht überprüfbar sind. Fest zu stehen scheint, dass es innerhalb der „United States of America“ (USA) einen geheimen Staat im Staate gibt, dessen Verfassung aus einem Buch mit dem Titel „Brave New World“ abgeschrieben ist und in Kundschafterkreisen gemeinhin als NSA, die „New Secrets of America“, abgekürzelt wird.

Seit September wissen wir, dass auch die amerikanische Überseeprovinz Israel schon 2009 dieser NSA-Konvention beigetreten ist. Niemand weiß, ob die Strippen noch von Olmert und Bush oder schon von Netanjahu und Obama gezogen wurden oder ob sie alle von nichts wussten. Seither erhält Israel jedenfalls aus seinem Mutterland Mitschnitte aller Telefonate und den Wortlaut aller Mails und SMS, die von hüben nach drüben wechseln. Ungefiltert wird der kälteste Kaffee geliefert, aber manchmal schwimmt darin ein bedenklich heißes Wort. Islam etwa oder Mist oder gleich beides zusammen.

Berichtet wird von Datenaustausch. Von den NSA-Filialen in Israel (ISNU = israelisch, sicher nicht unamerikanisch) kommen also ganz ähnlich abgefüllte Netze an die Zentrale nach Fort Meade, Maryland, zurück. Aber da weiß man wirklich nichts genaues, weil in Israel alles noch viel geheimer ist als in Amerika. Sogar die Dementis dementieren nichts.

Tel Aviv hat die richtigen Konsequenzen gezogen. Wenn es schon eine flächendeckende Überwachung des weltweiten Datenverkehr durch die Geheimdienste gibt, dann kann, nein, dann muss man das einfach nutzen. Das beginnt keineswegs damit, dass eine Großstadt kostenfreies Internet für alle anbietet. Welches Kind wird nicht schon im Mutterleib per Ultraschall abgefilmt? Die noch unbeschnittenen Daten werden von glücklichen Eltern auf der Homepage präsentiert oder der Oma in Alaska zugemailt. Denn Daten von US-Bürgern werden keineswegs ausgefiltert – wäre ja auch noch schöner. Dort sollen mehr luden als in Israel leben.

Vielleicht werden die ersten Lebenszeichen samt zugehöriger Werbe-Adresse auch von der Hebamme an eine Windel-Firma verscherbelt. Damit sind die lieben Kleinen schon pränatal bei NSA und ISNU auf dem Rechner. Das Geniale ist, dass die unermessliche Datenbank kaum in Erscheinung tritt. Die hausgemachten Textchen, Bildchen und Filmchen sammeln Pappa und Mamma, der Kindergarten, die Schule. Später speichern für uns das Facebook, der Google-Mogul, die Stadtverwaltung, die Arztpraxis, das Reisebüro, die Bank, der Online-Laden von Amazon, die peinlichen Seiten, die wir niemals gesehen haben wollen, die Tankstelle, die Hochschule, das Arbeitsamt, die Firma, die Ehepartner und Geliebten.

Das alles sind vertrauenswürdige Menschen und Institutionen, denen wir uns, unsere Kinder und unsere Konsumgewohnheiten anvertrauen. Wir haben schließlich nichts zu verbergen. Das Leben hinterlässt einen riesigen Mischmasch von Daten.

Der Computer im Schuhgeschäft benötigt nur Namen, Adressen, Bankverbindungen und Schuhgrößen. Der Geldautomat nur die PIN-Nummer. Pfiff bekommt die Sache, wenn alle Daten in einem Speicher zusammen fließen: Da kann vermeintlich niemand mehr persönlich herumwühlen und unsere Milliarden Mails lesen. Vielleicht spricht man deshalb von Geheimdienst; der sichert Anonymität pur und Datenschutz at it’s best, könnte man meinen. Nur: Wenn man dann doch mal 1 und 1 zusammenzählt, kommt aus dem Lehm ein Mensch wie du und ich:

Alle Dateien, die die IP-Nummer meines Computers tragen? Alle, die meine Reisen aufzeichnen? Alle, die ich verschlüsselt habe? Alle, die auf meine Zahlungsprobleme hindeuten? Alle, die harmlose oder doch auffällige Kontakte mit Menschen belegen, die unter Verdacht stehen?

Die Polizeistation nebenan, die einen Plattfuß mit Größe 45 sucht, würde sofort von meiner Unschuld überzeugt sein, wenn die Geheimdienste zur Entlastung aller Tippelbrüder mit Größe 43 genutzt würden. Aber die Polizei fragt den Geheimdienst nicht.

Das wäre nicht nur in Tel Aviv ein echter neuer Service. Wir brauchen nicht nur die Einladung zum kostenfreien Surfen und Ausgespäht-Werden. Der demokratische Dreh wäre der öffentliche Zugang zu den Datenschätzen der Geheimdienste. Also eine Abschaffung derselben.

Das würde ein Surfen im Pool der Erinnerung ermöglichen. Wir könnten nachfragen, wann wir geheiratet haben oder wie unser Traum-Hotel hieß. Die erste Mail könnten wir uns nochmals ausdrucken lassen und uns nochmals am Preisverfall der Telefonrechnungen erfreuen.

Wir, die nichts zu verbergen haben, erwarten, dass NSA und ISNU ihrerseits uns nicht vorenthalten. Ein besseres Gedächtnis können wir uns kaum leisten.

Gustav Goy

(Beitrag aus der JüdischenZeitung vom Oktober 2013, Nr. 92, herzlichen Dank ‘gk’ )

16.10.2013

Spruch des Tages

Filed under: Uncategorized — Gerhard A. Kern @ 17:44

Stoßgebet: “Großer Gott, hilf mir! Du erbarmst dich doch über ganz fremde Leut, warum nicht für mich?”

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