GerhardKern.de Ideologie- und Gesellschaftskritik

21.1.2014

Ukraine; des Dramas vorletzter Akt

Filed under: Uncategorized — Gerhard A. Kern @ 21:00

Es ist im wahrsten Sinne des Wortes ein “Trauerspiel”, was sich derzeit in dem Schwellenland Ukraine zwischen Westeuropa und Russland ereignet. Fast der gesamte “Westen” vermittelt eine mediale Sicht, die konträr zur Einschätzung der dortigen Lage aus gegnerischem Blickwinkel ist. Aus Mangel an seriösen russisch orientierten Quellen hat der sogenannte Europäer keine Möglichkeit einen möglichst unabhängigen Standpunkt zu entwickeln und somit auch nicht die Voraussetzung für ein verantwortungsvolles politisches Agieren. Er wird ganz “demokratisch” vor den Karren von Großmächten (wohl verstanden West gegen Ost) gespannt, mit deren Intentionen nicht jede/r einverstanden wäre, kennte er/sie die Hintergründe.

Wie das geht, zeigen drei Beispiele.

Der Westen spricht so:

Die liberale Wirtschaftswoche veröffentlicht einen Kommentar von Florian Willershausen.

Herr Willershausen imaginiert einen “Oppositionsführer Vitali Klitschko”als ob es eine Opposition gäbe. Das Klitschko der Wunschkandidat des Westens ist, daran kann kein Zweifel bestehen. Ob er aber diese Opposition wirklich anführt, darf zumindest in Frage gestellt werden. Zu offensichtlich agiert die rechtsextreme Partei Sloboda ganz vorne und mittendrin im Geschehen. Wenn Willershausen sich dann noch zu diesem Satz verführen lässt: “Weder die junge Mittelschicht noch Babukschki, die in Wollmützen auf dem Majdan sitzen und Soljanka kochen, unterstützt die nationalistische Minderheit in ihrem Anarchismus.”, dann muss man schon ein wenig die Kompetenz des Journalisten anzweifeln. Was, Herr Willershausen, hat Nationalismus mit Anarchismus zu tun? Diese Schläger sind schlicht Gewalttäter, die auch in der Ukraine in den Knast gehören. Und auch in anderen Ländern werden meist die zunächst “friedfertigen” Demonstrationen gewalttätig und schlagen wütend auf den vermeintlichen Feind ein.

http://www.wiwo.de/politik/europa/proteste-die-eskalation-in-der-ukraine-ist-hausgemacht/9356064.html

 

Eine völlig andere Sicht er Dinge liefert z.B. die Partei der Regionen aus der Ukraine:

Hier werden die “Revolutionäre” zu Verbrechern interpretiert, ähnlich der Deutung durch deutsche neoliberale Kreise in Bezug auf die aufrührerischen Kräfte in Hamburg. Jene die die Staatsmacht attackieren sind immer die Bösen und mit etwas Geschick ist die Gesellschaft auch davon zu überzeugen. Ob das in der Ukraine gelingen kann, werden die Wahlen im Jahre 2015 zeigen, wenn es hoffentlich nicht zu einem Bürgerkrieg kommt.

http://ukraine-nachrichten.de/erkl%C3%A4rung-pressedienstes-partei-regionen_3857_politik

Vielleicht wäre ja das Interview in der Jungle World vom 9. Januar mit Denis Lewin etwas hilfreich, der u.a. sagt: “Das ist das alte Spiel der Politiker. Vor jeder Wahl wird bei uns (i.d.Ukraine;gk) die Hysterie in Bezug auf Russland, die gemeinsame sowjetische Vergangenheit und die Frage nach der Staatssprache auf die Spitze getrieben. Mit dieser Methode lässt sich die Wählerschaft spalten und anhand weniger Fragen wird deutlich gemacht, für welchen Oligarchen es lohnt seine Stimme abzugeben, wer zu “uns” gehört und wer unser “Feind” ist. Mir scheint, es gibt für uns dennoch einen dritten Weg, nämlich eine unabhängige soziale Entwicklung der Ukraine jenseits jeglicher Blöcke und jenseits neoliberaler Bündnisse.”

Ich kann zwar dem Optimismus von Lewin in Bezug auf den “dritten Weg” nichts abgewinnen, dennoch ist die Aussage mit Blick auf die geschürte Hysterie und der gewollten Spaltung der Gesellschaft nicht von der Hand zu weisen.

17.1.2014

Roma-Bashing im ZDF

Filed under: Uncategorized — Gerhard A. Kern @ 19:33

Das Thema ist brandaktuell und ich dachte, dass ich mir eine Sendung am 16.01.2014 von und mit Maybrit Illner zur “Armutswanderung” ansehen und hören sollte um zu erfahren wie Politiker und Intellektuelle ein Problem lösen könnten. Es war sogar tatsächlich ein indirekt “Betroffener” Roma zugegen. Der Sozialpädagoge Dzoni  Sichelschmidt versuchte den Standpunkt der einwandernden Menschen darzustellen, die so vorschnell von den Polit-Strategen als Betrüger und/oder als potentielle “Sozialschmarotzer” verdächtigt werden und die man dringend wieder rausschmeißen sollte aus dem schönen reichen Deutschland.

Michel D.

Was dann an Argumenten so ausgetauscht wurde, insbesondere von dem Christlich-Sozialen-Union(isten) Herrmann oder von der Duisburger Hausbesitzerin, letztlich aber  auch von   dem Polizeigewerkschafter Wendt war mit Verlaub gesagt zutiefst unsozial, wenn nicht gar rassistisch in einer den Deutschen so eigenen Ausfertigung. Der ansonsten ganz konsequent argumentierende Polizist, war sich dann auch nicht zu schade von den Strafverfolgungsbehörden zu erwarten, das doch die Schulpflicht ohne wenn und aber durchgesetzt werden müsse. Hier zeigt sich eine Ahnungslosigkeit, die verblüfft. Man kann Romakinder nicht in Schulen zwingen, die ein Klima haben, welches den Verfolgten und Verachteten Angst macht. Hier müssten intelligentere Ansätze her, von denen ich bisher noch nichts gehört habe.

Erstaunlich souverän kam der Grüne Özdemir durch den Darstellung seiner, bzw. seiner Herkunftsfamilie rüber. Auch diese waren arm und ungebildet eingewandert und hatten die Schrecken jener Zeit durchleben müssen. So war durchaus etwas Empathie von Özdemirs Seite erlebbar. Die Berliner Stadträtin Giffey  glänzte durch intelligentere sozialdemokratisch grundierte Beiträge und hatte pragmatische Vorschläge.

Natürlich ist es auch richtig, dass es auch bei Flüchtlingen böse Menschen gibt. Doch wurde und wird bei der Debatte so darüber gesprochen, als sei das ein der Ethnie zugehöriges Wesensmerkmal. Wenn schon die German-Angst vor Verbrechern existiert, so wäre es zumindest im paritätischen Maße richtig, die deutschen Gangster vielleicht nicht raus- aber dann eben reinzuschmeißen; in den Knast. Zahlenmäßig wären sie den Roma oder auch anderen Nicht-Deutschen hoch überlegen. Der Versuch Wendts dass in effektiver Weise in die Debatte einzubringen endet spätesten dann aber auch bei ihm im unterschwelligen Nationalismus. So faselten denn letzten Endes alle, außer Sichelschmidt, von “unserem Land” und überhaupt nicht mehr von Europa, welches doch Ziel der aktuellen Politik sein sollte.

Oder habe ich da etwas völlig falsch verstanden? Geht es vielleicht um ein Europa der Vaterländer oder Regionen, wie es die rechten Vordenker so im Sinn haben?

 

*(Rassismusdefinition:  „Wollten wir eine knappe Formulierung wagen, so könnten wir sagen, dass Rassismus vorliegt, wenn eine ethnische Gruppe oder ein historisches Kollektiv auf der Grundlage von Differenzen, ……………..    eine andere Gruppe beherrscht, ausschließt oder zu eliminieren versucht“ (Fredsrickson, S. 173).

15.1.2014

Kerniger Jahrestag

Filed under: Privat — Gerhard A. Kern @ 15:50

Vor 73 Jahren hatte ich wohl das dringende Bedürfnis aus dem Schutzraum zu verschwinden den mir Adelheid Kern (Engel), meine Mutter, für 9 Monate zur Verfügung gestellt hatte. Ich weiß nicht mehr ob es mein Wille war oder der Trieb aus dem zu eng gewordenen Gefäß zu fliehen; hinein in eine Welt, die mir ganz und gar unbekannt war. Vielleicht hatte ich zuvor ein paar Geräusche, Stimmen oder auch andere mehr oder weniger wohltuende akustische Signale vernommen. Es war ein Mittwoch am 15. Januar 1941 in einem Krankenhaus in Wiesbaden.

Gerdsche 1941Gerd’sche 1941

Mein Vater, der Unteroffizier Gerhard Friederich Kern war in der Kurstadt stationiert, daher der merkwürdige Ort. Nun kann man ganz bestimmt nicht sagen, dass das Krankenhaus ein Wohlfühlort war, den ich da erblickte. Jedenfalls hat mir der Anblick meiner durchaus schönen Mutter sehr wohl gefallen. Sehr bald zog ich dann mit Hilfe von ihr (Mütter hießen damals Mutti) in den Ort meiner frühen Kindheit ins Haus meiner sehr geliebten Großmutter Katharina Kern nach Segendorf bei Neuwied am Rhein und durfte dort eine Familie erleben, die von starken Frauen organisiert wurde. Als Sohn hatte ich einen Sonderstatus und ich wurde entsprechend verwöhnt, denn Männer hatten zu jener einen gewissen Mehrwert. Irgendwann nach dem Versuch des selbstständigen Sitzens und Krabbelns auf allen Vieren, stand ich dann aufrecht und versucht die Tischplatte zu überschauen. In diese Zeit fielen auch die Versuche den mit Holz und Kohle geheizten Küchenofen zu erkunden, was Entsetzenschreie der Frauen und heftige Schmerzen an den kleinen “Männerhänden” zur Folge hatte. Ich wurde gut gefüttert, was gewisse Rundungen zur Folge hatte und manchmal zu Widerstand gegen die Familiengewalt in Form von Nahrungsverweigerung führte. Danach habe ich mich dann aber trotzdem noch weiter entwickelt, wurde 175 cm groß und 75 – 80 kg +/- schwer geworden.

Weiteres folgt demnächst.

 

 

Google

14.1.2014

Ukraine im Bann des braunen Marsches?

Filed under: Uncategorized — Gerhard A. Kern @ 14:02

Es lohnt sich durchaus einen Blick auf die dunkle Seite der Machtverhältnisse in der Ukraine in Bezug auf seine Volksheldin Julija Tymoschenko zu werfen. Insbesondere ist dies auch für die Einschätzung der derzeitigen und vom Westen so sehr unterstützten Revolte durch fragwürdige Kräfte in der Opposition sinnvoll. Europäer scheinen ja zum großen Teil mit Scheuklappen behaftet zu sein. So sehr das Motiv der großen Freiheit mitspielen mag; ganz frei von reaktionären und gar faschistoiden Elementen ist die Revolte ganz sicher nicht. Die “Fortsetzung des ‘braunen Marsches’” könnte gar dahin führen, wovon das einfache Mitläufervolk nicht träumen möchte. Die in der Opposition einflussreiche extrem rechte Partei Swoboda ( http://www.zeit.de/politik/ausland/2013-12/ukraine-protest-swoboda-maidan ) lässt jedenfalls keinen Zweifel daran aufkommen, wohin es gehen soll. Dennoch spielt für den Zusammenhalt der Europa-Orientierten die in folgender Buchbesprechung skizzierte schöne Dame ein nicht zu unterschätzende Rolle:

Timoschenko

“Gegenwind aus West

Eine spektakuläre Buchvorstellung in Rom stellt die Herkunft und Vergangenheit der Ex-Ministerpräsidentin der Ukraine in ein neues Licht.

Am 27. November fand in Rom die Präsentation des Buches „Julia Timoschenko – die Eroberung der Ukraine“ des italienischen Journalisten Sandro Teti alias Ulderiko Rinaldini statt. Zufálligerweise am Geburtstag der Protagonistin des Buches.

Während der Präsentation des Buches von Sandro Teti, der als Journalist viele Jahre während des Zusammenbruchs der Sowjetunion dort, und danach im postsowjetischen Raum gearbeitet hat, sagte der Verfasser, dass er sich entschieden habe, sich bewusst gegen den allgemeinen europäischen Trend bei der Beurteilung Julia Timoschenkos zu wenden und betonte, dass sie in Italien als Idol betrachtet wird, und dass er im Detail die Geschichte ihres Werdegangs als Politikerin erkunden wollte.

„Frau Timoschenko (in anderer Transskription Julija Tymoschenko) ist in Italien seit den Tagen des ,orangenen Revolution‘ bekannt, sie ist ein besonderer Mensch mit einer ganz besonderen Frisur; die italienische Presse schrieb viel darüber. Ich als Journalist, der über den postsowjetischen

Raum schreibt, frage mich, warum diese zierliche, hübsche und sehr energische junge Frau, die erst mit 30 Jahren begann ukrainisch zu lernen, so schnell politisch erfolgreich wurde. Ihre Verwandlung in eine perfekte blonde ukrainische Frau, gekrönt mit einem traditionellen Zopf, hat

wirklich keine Parallele in der modernen Geschichte“,sagte Teti. Laut Teti weiß niemand in Italien, selbst die Journalisten nicht, die über postsowjetische Länder schreiben, warum Julia Timoschenko im Gefängnis ist, wer Pavlo Lazarenko ist, wie er mit Timoschenko verbunden ist und dass man ihn in den USA zu einigen Jahren Gefängnis verurteilt hat, und zwar viel länger als Frau Timoschenko.

Das Buch beschreibt im Detail ihre aktive Rolle bei der Verleihung des Titels „Held der Ukraine“ an Stepan Bandera (http://vk.com/Videolll663238_l66037352), der „nach 0ffiziellen israelischen Quellen“ ein „Antisemit, Kriegsverbrecher und Nazi“ ist. Die Tatsache in Timoschenkos Biographie hätte die europäischen Politiker eigentlich alarmieren sollen, blieb jedoch unbeachtet.

Als Ergebnis der Untersuchung hat der Autor eine etwas andere Meinung entwickelt. In seinem Buch hat Frau Timoschenko wenig Ähnlichkeit mit der Heldin einer Protestbewegung oder einer politische Gefangenen, wie man das allgemein im Westen annimmt, sondern sieht wie eine gewöhnliche Kriminelle aus, die sich 2 Jahre lang bei ihren kommerziellen und politischen Aktivitäten ‚überhaupt nicht um die Gesetze scherte. Sie wird als Zerstörerin und nicht als Schöpferin gezeigt, die während der ganzen Zeit ihrer politische Karriere nichts für das Land aufgebaut hat und nur ihren eigenen Interessen diente.

Laut dem Autor endet die Ära Timoschenkos unaufhaltsam, da die Zeit der Politiker, die in ein Studio kommen und zwei bis drei Stunden das Publikum in Atem halten konnten, abläuft. Jetzt wird es schwierig, mit einem schönen Aussehen, spektakulären Attributen und flammenden Reden zu beeindrucken.

Darüber hinaus sind auch diejenigen erwachsen geworden, die einst von den Parolen der „orangenen Revolution“ verführt wurden und anschließend enttäuscht waren.” Zitat Ende.

Anmerkung: Der Beitrag erschien in der Dez,/Jan. 2013/2014 Ausgabe der Jüdischen Zeitung

Powered by WordPress