Das schwierige Bemühen, die Wahrheit zu verbreiten.

Ich las gerade den Beitrag von Gerd Buurmann „US-Politikerin Tlaib ruft zum Boykott von Talkshow auf“ in der Juedischen Rundschau, mit der Bitte von Gerd, diesen und auch andere in „tapfer im Nirgendwo“ erschienen Beiträge zu verbreiten, möglichst dort, wo sie von ‚Israelkritikern‘ gelesen werden.
https://tapferimnirgendwo.com

Gern wollte ich dieser Bitte nachkommen, doch fragte ich mich welche Medien des #wirsindmehr oder ähnlicher Strömungen dazu geeignet sind. Ich weiß es nicht. Sollten die kritiscchen und meist sehr vernünftigen/aufklärerischen Beiträge an die Bundesregierung oder an die einzelnen Parteien gehen? Wären auch Stiftungen und soziale Medien im www. geeignet? Auch hier habe ich meine Zweifel.
So teile ich denn den Versuch der Aufklärung per Facebook in meiner „Wolke“; in der Hoffnung, dass meine Fb.Freunde „Tapfer im Nirgendwo“ unterstützen und somit ein wenig mehr Wahrheit in den politischen Diskurs bringen könnten.

https://juedischerundschau.de/article.2019-09.us-politikerin-tlaib-ruft-zum-boykott-von-talkshow-auf.html

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Aus der Geschichte lernen

Wenn man sich mit Israel oder den Juden befasst, so ist es ratsam die Geschichte kennen zu lernen. Natürlich müsste man sehr weit zu den Anfängen des jüdischen Volkes gehen.
Wer aber das derzeitige Geschehen im so genannten „Nahen Osten“, und hier ganz besondere die Staatsgründung Israels verstehen möchte, kommt nicht ohne die Original-Quellen aus.
Und hier gibt es wohl kaum eine bessere Auskunft, als die Berichte und Erinnerungen des Karl Pfeifer, der aus den eigenen Erlebnissen die Zeit vor und nach der Staatsgründung minutiös in verschieden Medien schreibt:


Die „Jüdische Rundschau“ veröffentlichte in ihrer letzten Ausgabe Nr.8 / 60 den Artikel „1929: ‚Auseinandersetzung‘ zwischen Juden und Arabern?“. „Schon damals wurde die arabische Aggression verharmlost“.

https://de.wikipedia.org/wiki/Karl_Pfeifer_(Journalist)

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Die Sicht aufs Klima

Nun hatte ich doch geglaubt, dass ich mich mit dem allgegenwärtigen Klima nicht mehr befassen müsste, da es doch unendliche viele (vermeintliche)Expert(inn)en zum Thema gab und gibt. Doch kommt man, bedingt durch die Reaktionsweisen in den Medien und dabei auch in den sogenannten sozialen, täglich, wenn nicht gar stündlich mit der Auseinandersetzung zum Thema Klima, Klimawandel, menschen gemachtem und hiermit auch dem Markt geschuldeten Wandel in Berührung. Welche nun die „richtige“ oder „wahrheitsgemäße“ Sicht der Dinge ist, bleibt letztlich unbeantwortet. Wahrscheinlich haben alle ein bisschen mehr oder weniger recht.

Ich erlaube mir eine kleine Auswahl hintenan zu stellen und hoffe sehr auch Reaktionen die nach meinem Wunsch Brücken zwischen den Kontrahenten ermöglichen könnten. Vielleicht bleibt es ja ein Wunsch, der sich nie und nimmer realisieren lässt. Die angehängten Beiträge wurden von mir in der Reihenfolge gelesen und ich muss gestehen, dass ich alle drei mit Sachverstand und literarischer Qualität sehr schätze.

1. Roger Letsch
https://unbesorgt.de

Vor Jahren schon kündigte ich an, die meisten Beschimpfungen und Drohungen gegen mich einfach ignorieren zu wollen. Aber ich behielt mir vor, die schönsten davon zu Marmelade zu verarbeiten, wenn es mir zu bunt wird oder der Zuckergehalt des Materials besonders hoch ist. Den nachfolgend in Best-of-Auszügen wiedergegebenen Kommentar erhielt ich auf meinen Artikel auf Achgut, in dem ich die Klimahysterie der „Fridays for Future“-Bewegung mit den

„Roten Garden Maos“ verglich und zu meinem Erstaunen hören musste, dass selbst die Anführer dieser Bewegung offen von einer „Kulturrevolution“ sprechen, die es zu starten gälte. Langstrecken-Luisas Worte, nicht meine. Hier nun der (um einige besondere Unappetitlichkeiten gekürzte) Wortlaut der Mail an mich:

2. Bernd Rheinberg
https://www.salonkolumnisten.com/nur-mal-kurz-die-welt-retten/

Die Grünen haben einen Lauf, die Wahlprognosen verheißen ihnen hohe Zuwächse. Aber wären sie der Verantwortung gewachsen? Sie müssten sich vor allem ihren eigenen Herausforderungen stellen. 26 Prozent. Es sind immer noch 26 Prozent des Wahlvolks in Deutschland, die, wenn kommenden Sonntag Bundestagswahl wäre, Bündnis 90/Die Grünen ihre Stimme gäben (Stand: 4. Juli). Das ist viel, sehr viel. Das sind rund 17 Prozent mehr als vor nicht einmal zwei Jahren, bei der letzten Bundestagswahl. Die Grünen hatten sich damals im Vergleich zur Wahl davor um ein halbes Prozent verbessert – und waren schon heilfroh darum. Und nun 26 Prozent, wenn…

3. Hans von Storch
https://www.cicero.de/wirtschaft/erderwaermung-klimawandel-umwelt-klima-hochwasser-klimapolitik/plus

Wie viel Klima macht der Mensch?
VON HANS VON STORCH am 26. Juni 2019
Selbst, wenn wir Europäer unsere Lebensgewohnheiten völlig umstellen würden, hätte das keinen wesentlichen Einfluss auf den Klimawandel. Trotzdem könnte es sich lohnen, Verzicht zu üben. Denn es gibt noch andere Effekte. In meiner Jugend gab es diesen Witz von Klein-Fritzchen, der an eine katholische Klosterschule wechselt und dort mit der Frage konfrontiert wird: „Es ist braun, pelzig, springt von Baum zu Baum – was ist das?“ Klein-Fritzchen, der die erwünschte Denkweise schon völlig in sich aufgesogen hat, antwortet wie aus der Pistole geschossen: „Jesus!“ So ähnlich kommt es mir inzwischen vor, wenn vom Klimawandel die Rede ist. Was auch immer an neuen schlechten Nachrichten zu vermelden ist, stets hat es irgendwie mit dem Klimawandel zu tun. Immerhin ist damit meist auch klar, was man dagegen konkret unternehmen kann: weniger Emissionen erzeugen. Mit anderen Worten: fleischlose Ernährung, Verzicht auf Flugreisen und auf Einmal-Kaffeebecher.

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Religion oder Ideologie?

Da es immer wieder die Problematik gibt, Religion von Ideologie zu unterscheiden, findet Ihr hier eine mögliche Interpretation von Tabula Rasa, der ich mich anschließen möchte: https://www.tabularasamagazin.de/32324-2/

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Die Religion der liberalen Demokratie

„Der Anarchist, der Ästhet, der Mystiker und der sozialistische Revolutionär alle beschleunigten den Untergang der Gesellschaft.“

warnte David Émile Durkheim,

Die Religion der liberalen Demokratie

Wie die Dreyfus-Affäre den Soziologen Émile Durkheim, der heute vor 102 Jahren verstorben ist, dazu inspirierte, eine originelle, provokative und optimistische Sicht auf die Französische Republik und den Menschen mit den Rechten zu entwickeln. Von Blake Smith

Das Ende des 19. Jahrhunderts, als die Dreyfus-Affäre Frankreich erschütterte und der Antisemitismus als politische Kraft auftauchte, war für einen französischen Juden kein offensichtlicher Moment, um den Optimismus wieder zu entdecken. Émile Durkheim (1858-1917), der führende Soziologe des Landes, war ein besonders unwahrscheinlicher Kandidat für Hoffnung. Er hatte das letzte Jahrzehnt in einem Zustand gut informierter Angst verbracht. Seine Forschung schien zu zeigen, dass wirtschaftliche Spannungen und kulturelle Fragmentierung die Bedingungen für das kollektive Dasein in Frankreich und auf der ganzen Welt auflösten.
Die 1894 erfolgte Verurteilung des jüdischen Offiziers Alfred Dreyfus durch ein französisches Militärgericht wegen falscher Beweise und die darauf folgenden parteiischen, ausgesprochen antisemitischen Bemühungen, eine Wiederaufnahme des Verfahrens zu verhindern, könnten Durkheims Verzweiflung bestätigt haben. Stattdessen belebte es seinen Glauben an Frankreich und seine liberale Demokratie. Dieser Glaube war nicht metaphorisch. Durkheim bestand zum Leidwesen der Verbündeten und Gegner seitdem darauf, dass Demokratie eine Religion und das rechtstragende Individuum sein Gott sei. Ein Jahrhundert später, als die Rechte des Einzelnen und die Souveränität des Volkes zunehmend in Frage gestellt werden, fordert Durkheims intellektuelles Erbe die Verteidiger des Liberalismus auf, Emotionen, Gemeinschaft und Glauben anzunehmen.
Durkheim, der Sohn eines Rabbiners, verließ die Religion seiner Kindheit, um in Paris Philosophie zu studieren. Mit 29 Jahren begann er zu unterrichten und bot Kurse zu politischen Philosophen wie Thomas Hobbes und Jean-Jacques Rousseau an. Er fand heraus, dass diese Vorfahren einen fatalen Fehler gemacht hatten. Ihre Theorien basierten auf der Vorstellung, dass Individuen, die von Natur aus mit Freiheit ausgestattet waren, in einem künstlichen „Gesellschaftsvertrag“ zusammengebracht worden waren. Sie sahen „Gesellschaft als etwas Außerirdisches“ für die menschliche Natur und philosophische Spekulation als etwas, was vor der empirischen Forschung stattfand. Sie entwickelten ideale Konstitutionen, in denen ein allgemeiner Wille, der von einem Monarchen oder einer Mehrheitsmeinung verkörpert wird, die egoistischen Wünsche des Einzelnen dominieren würde. Dennoch schienen diese Philosophen wenig über Individuen, Gesellschaft und Staat zu wissen, wie wir sie in der Welt finden.
Durkheim wurde einer der Begründer der Soziologie, einer aufstrebenden Disziplin, die wissenschaftliche Erkenntnisse über Themen liefern sollte, die lange Zeit Spekulationen und Glauben vorbehalten waren. Im folgenden Jahrzehnt der 1890er Jahre schrieb er ein Manifest, The Rules of Sociological Method (1894), in dem empirische Untersuchungen zum menschlichen Verhalten und zur Entwicklung sozialer Strukturen gefordert wurden Das ethische Theoretisieren erfolgt auf solider Basis. Durkheims Forschungen zu Arbeitsteilung (1893) und Selbstmord (1897) brachten ihn jedoch in einen Abgrund der Verzweiflung.
Inspiriert von der Biologie versuchte Durkheim zu erklären, warum Menschen in kapitalistischen Gesellschaften, die von komplexen Netzwerken des Austauschs umgeben waren, immer weiter auseinander zu driften schienen. Denken Sie, fragte er die Leser, an die Finken, die Charles Darwin auf den Galapagos-Inseln studiert hatte. Unter dem Druck des Wettbewerbs um Ressourcen trennten sich die Mitglieder einer einzelnen Art in eine Vielzahl neuer Arten, die jeweils physische Merkmale aufwiesen, die an unterschiedliche Nahrungsquellen angepasst waren. In einer scheinbar tadellos „wissenschaftlichen“ Analogie argumentierte Durkheim, dass sich Menschen und Gesellschaften auf die gleiche Weise entwickeln. Mitglieder traditioneller, vormoderner Gesellschaften sind wie die ursprünglichen Finken mehr oder weniger identisch. Der Druck des kapitalistischen Wettbewerbs führt ein Prinzip der Differenzierung ein, da sich die Menschen in zunehmend spezialisierte wirtschaftliche Rollen aufteilen.
In ihrer wirtschaftlichen Form als Arbeitsteilung ermöglicht diese zunehmende Spezialisierung eine enorme Steigerung der Produktivkräfte der Gesellschaft – jedoch mit schwerwiegenden sozialen und psychologischen Konsequenzen. Traditionelle Bindungen zwischen Religion und Familie brechen zusammen, und Personen, ironischerweise isoliert von den wirtschaftlichen Kräften, die sie alle überwältigen, flüchten sich in illusorische Gemeinschaften, die zu schwach sind, um das Gewicht des menschlichen Schicksals zu tragen. „Der Anarchist, der Ästhet, der Mystiker und der sozialistische Revolutionär“, warnte er, alle beschleunigten den Untergang der Gesellschaft.
Für diese Krise sah Durkheim wenig Abhilfe. Moderne kapitalistische Gesellschaften wie Frankreich verloren die gemeinsamen Werte und Bezugspunkte, die das Leben erträglich machen, und zerfielen in flüchtige, fragmentarische Stämme, deren Mitglieder aggressiv narzisstisch und verzweifelt einsam waren. Selbst wenn „durch ein unbegreifliches Wunder“ ein moralischer Kodex für die Wiedervereinigung der Gesellschaft auftauchte, würde die Wettbewerbslogik des kapitalistischen Systems seine Mitglieder wieder in die Selbstzentrierung und Spaltung treiben.
Während Durkheim seinen Weg in die Hoffnungslosigkeit suchte, veränderte die Verurteilung von Dreyfus im Jahr 1894 die französische Politik. Bis 1898 waren viele der bedeutendsten Schriftsteller, Künstler und Gelehrten des Landes zu Dreyfus ‚Verteidigung gekommen. Je politisch versierter Dreyfus ‚Verteidiger, die Dreyfusards, sahen seine ungerechte Strafe als Gelegenheit, die Prinzipien der Menschenrechte zu verteidigen und die Armee zu schwächen, eine Bastion von Konservativen, die auf ihre eigene Chance zu warten schienen, die Dritte Republik zu sabotieren Frankreichs liberales demokratisches Regime. Aber auch die Feinde der Republik sahen eine Chance.
Die Republik wurde 1870 nach Jahrzehnten autoritärer Herrschaft und häufigem Putsch gegründet und erschien vielen französischen Beobachtern als Schöpfung von Juden, Protestanten und Nichtgläubigen. Diesen Minderheiten wurde vorgeworfen, die Formen der liberalen Demokratie wie die Betonung der Rechte des Einzelnen zu nutzen, um sich vor der katholischen Mehrheit Frankreichs zu schützen und diese sogar zu unterdrücken.
In der anti-republikanischen Perspektive bestand die Wahrheit darin, dass Minderheiten guten Grund hatten, die Republik als ihre beste Verteidigung gegen Intoleranz zu betrachten. Die Dreyfus-Affäre bot den Antirepublikanern die Möglichkeit, antisemitische Vorurteile auszunutzen, und beschuldigte die Verteidiger von Dreyfus, auf die Rechte der Angeklagten zu bestehen, um die nationale Verteidigung Frankreichs zu untergraben. Wenn der Name von Dreyfus geklärt würde, warnten Konservative, würde die militärische Moral sinken und die Nation für ein aufstrebendes Deutschland anfällig machen. Die Rechte eines einzelnen Menschen – insbesondere eines Juden – dürfen nicht die Bedürfnisse des gesamten Landes gefährden. Dieses Argument, das von vielen Anti-Dreyfusarden aufgedrängt wurde, wurde von Literaturredakteur Ferdinand Brunetière in einem Artikel von 1898, „After the Trial“, mit besonderem Flair vorgetragen.
Brunetière argumentierte, dass die Affäre einen grundlegenden Konflikt innerhalb der Dritten Republik zwischen Verantwortlichen, die akzeptierten, dass die Bedürfnisse der Gemeinschaft die individuellen Rechte überschreiten müssen, und den Anarchisten, Sozialisten und radikalen „Individualisten“ aufgedeckt hatte, die bereit waren, die Existenz Frankreichs aufs Spiel zu setzen für die Freiheit einer einzelnen Person. Dies war ein Argument, das Durkheim verstehen konnte und das möglicherweise seine eigene Besorgnis über die schädlichen Individualisierungskräfte der modernen Gesellschaft ansprach. Aber Durkheim hatte es sich anders überlegt. In einer Reihe von Aufsätzen aus den Jahren 1898 und 1899 antwortete er Brunetière, verteidigte die Dreyfusards und skizzierte eine Vision von Gesellschaft und Politik, die seinen früheren Pessimismus zerstörte.
Durkheims Denken wurde durch eine einfühlsame und kritische Auseinandersetzung mit den Anti-Dreyfusarden verändert. In einem Aufsatz über Antisemitismus wies er die Idee zurück, dass Dreyfus ‚Gegner durch Hass und Vorurteile motiviert waren. Er bestand darauf, dass der Antisemitismus Ausdruck der von ihm selbst dokumentierten Phänomene „wirtschaftlicher Probleme und moralischer Nöte“ der kapitalistischen Gesellschaften sei. Normale Leute, nicht weniger als Soziologen, suchen nach Erklärungen für die Verwirrungen der Moderne und finden zu oft Sündenböcke.
In Suicide , das erst einige Jahre zuvor geschrieben wurde, sah Durkheim die Ideologien, die als Reaktion auf den gegenwärtigen Kapitalismus entstanden waren, als bloße Fortsetzung seiner Atomisierungstendenzen. Als Durkheim nun über die französische Reaktion auf Dreyfus ‚Überzeugung im Jahr 1894 nachdachte, erinnerte er sich an einen „Freudenschub auf den Boulevards“. Die französischen Massen waren begeistert gewesen, schlug Durkheim vor, nicht weil sie eine Entschuldigung hatten, ein Mitglied einer verachteten Minderheit zu verfolgen , aber weil sie erleichtert waren, sich versammelt zu haben, bevor sie eine Erklärung und eine Antwort auf ihre Leiden erhielten. Die Struktur des Antisemitismus wies auf einen Ausweg aus den Sorgen und Nöten der modernen Gesellschaft hin: eine gemeinsame Sehnsucht nach einer verständlichen Welt.
„Der Anarchist, der Ästhet, der Mystiker und der sozialistische Revolutionär“, warnte Émile Durkheim, alle beschleunigten den Untergang der Gesellschaft.
In einem begleitenden Aufsatz über Militarismus vertiefte Durkheim seine Analyse des Anti-Dreyfus-Lagers. Der Militarismus erschien ihm nun wie der Antisemitismus als verzerrte Form eines vitalen gesellschaftlichen Imperativs. Er argumentierte, dass das französische Volk die Armee als Verteidigung gegen Deutschland betrachtete und sie zum Gegenstand eines „Kultes … etwas Unantastbaren und Heiligen“ gemacht hatte. Indem sie den unschuldigen Dreyfus opferten, versuchten sie, ihren Gott zu besänftigen.
Durkheim hätte an der Grausamkeit und Irrationalität dieses Opfers festhalten können. Stattdessen schlug er vor, dass die Aufgabe der Liberalen darin bestehe, einen besseren „Kult“ zu finden. Die Franzosen brauchten „andere Ideen … in denen sie miteinander kommunizieren können, andere Ziele gemeinsam verfolgen“. Die Dreyfusards hätten nicht nur zu bieten politische Prinzipien wie individuelle Rechte, aber auch Zugehörigkeitsgefühl, eine Form der Kollektivität, die sich um transzendente Werte dreht und auf die Verwirklichung konkreter Ziele abzielt. Dreyfus würde nicht durch bloße Berufung auf ein ordnungsgemäßes Verfahren gerettet, sondern durch einen „Rechtskult“, eine kollektive Leidenschaft für individuelle Rechte.
Eine solche Religion der individuellen Rechte könne zu diesem Anlass kaum zusammengeschlagen werden, stellte Dürkheim fest. In einem Aufsatz von 1898, „Individualismus und die Intellektuellen“, argumentierte er jedoch, dass diese Religion in der Tat bereits der gemeinsame Glaube Frankreichs sei.
In einem anderen paradoxen Argument, das mit seinen Behauptungen übereinstimmt, die Anti-Dreyfusarden seien von einer fehlgeleiteten Liebe zu Wahrheit und Gemeinschaft motiviert, wollte Durkheim beweisen, dass das Beharren der Dreyfusarden auf den Rechten einer einzelnen Person ein Akt der Verehrung war die Mitglieder der französischen Nation zu ihren Landsleuten und zu einer gemeinsamen Vergangenheit. Damit konfrontierte Durkheim Brunetière mit seiner Individualismuskritik, die seinen eigenen früheren Einschätzungen der modernen Gesellschaft ähnelte. Brunetière hatte argumentiert, dass die liberale Demokratie die Nation schwächte, indem sie die individuellen Rechte über die Bedürfnisse der Gruppe betonte: Gegen Brunetière verfolgte Durkheim paradoxerweise die Geschichte dieser Rechte, beginnend mit den Philosophen der Aufklärung wie Jean-Jacques Rousseau, die sie zuerst erfanden.
Die Dreyfus-Affäre hatte Durkheim eine neue, ironische Perspektive auf das Aufklärungsprojekt gegeben. Vor Jahren hatten die Theorien von Rousseau und seinen Kollegen Durkheim als oberflächlich und idealistisch empfunden. Sie hatten behauptet, die Gesellschaft sei nur eine Art Vertrag zum Schutz der Rechte der Personen, die sie verfassten, aber, wie der Soziologe Durkheim gezeigt hatte, war es die Gesellschaft, die Individuen schuf, nicht umgekehrt. Die Philosophen hatten sich in Bezug auf die menschliche Natur und die Beziehung zwischen Individuum und Gesellschaft geirrt – und doch waren ihre Ideen, wie falsch sie auch sein mögen, in das Repertoire von Überzeugungen und Vorurteilen eingedrungen, die die meisten Franzosen teilten, und hatten auf diese Weise eine unerwartete Art von Wahrheit erreicht.
Die Schlüsselideen des Liberalismus – dass die Gesellschaft von ursprünglich isolierten Menschen mit Rechten gegründet wurde und sich aus ihnen zusammensetzt und dass die Legitimität des Staates auf dem Schutz der Rechte des Einzelnen beruht – sind aus wissenschaftlicher oder philosophischer Sicht falsch. Durkheim argumentierte, dass sie einer kritischen Prüfung nicht standhalten können. Aber sie sind sozusagen tatsächlich wahr oder wahr genug geworden. Das französische Volk glaubt an die Existenz des liberalen Individuums und sieht seine Geschichte als die Geschichte seines Triumphs.
Es war der religiöse Eifer der Dreyfusarden, der Durkheim auf diesen Gedankengang gebracht zu haben scheint. Immerhin, so stellte Durkheim fest, sollte es uns überraschen, dass Tausende von Menschen sich so für die Verteidigung eines einzelnen Fremden einsetzen könnten. Welcher Einzelne kann es wert sein, die Sicherheit eines ganzen Landes zu riskieren? Es muss etwas mehr als wissenschaftliche oder philosophische Rationalität am Werk sein. Wenn wir von Verletzungen der Rechte von jemandem entsetzt sind, erleben wir laut Durkheim den Ekel und die Angst, die religiöse Gläubige empfinden, wenn etwas „Heiliges und Unverletzliches“ übertreten wird – obwohl wir uns nicht viel Gedanken über die tatsächliche Person machen, deren Rechte verletzt werden , „Das besondere Wesen, das sich selbst konstituiert und seinen Namen trägt.“
Es war also nicht wirklich Dreyfus, den die Dreyfusarden verteidigen wollten, sondern ein „unpersönliches und anonymes“ Individuum, eine abstrakte Menschlichkeit, an der alle Mitglieder liberaler Demokratien teilhaben. Wie Durkheim sagte: „Der Mensch ist ein Gott für den Menschen geworden … jeder einzelne Geist hat etwas Göttliches in sich, das durch eine Eigenschaft gekennzeichnet ist, die ihn heilig und unantastbar macht.“
Die liberale Demokratie, so argumentierte Durkheim, ist daher am besten nicht als eine genaue oder gar rationale Reihe von Behauptungen über das richtige Verhältnis zwischen Individuum und Gesellschaft zu verstehen, sondern als eine Religion, die die Rechte des idealen, abstrakten Individuums, das es ist, verankert und feiert Gott.
Gegen Brunetières Vorwurf, dass eine übertriebene Achtung der Rechte des Einzelnen die französische Nation gefährde, konterte Durkheim, dass diese Religion ihre „Seele“ sei. Aus diesem Grund warnte Durkheim, das Ziel einer kosmopolitischen Ordnung, in der der Nationalstaat Vielleicht zu verschwinden war eine Illusion – liberale Normen können nur von einer Gemeinschaft von Gläubigen aufrechterhalten werden, die in gemeinsamen Lebensmustern und Gefühlskreisen verwurzelt sind. Trotz des wachsenden Einflusses der internationalen sozialistischen Bewegungen hoffte Durkheim bis zu seinem Lebensende, dass die französischen Sozialisten „zu den französischen Traditionen zurückkehren“ und den Traum von einer globalen Revolution aufgeben würden; Die liberale Demokratie ist eine Religion, aber sie ist ein nationales und kein universelles Glaubenssystem.
Nach den Täuschungen des Judentums, der Philosophie der Aufklärung und des wissenschaftlichen Studiums der Gesellschaft seines Vaters hatte Durkheim herausgefunden, was er als neuen Glauben ansah. In den nächsten zwei Jahrzehnten, bis zu seinem Tod im Jahr 1917, wollte er beweisen, dass alle Gesellschaften eine religiöse Grundlage haben (in seinen Grundformen des religiösen Lebens), 1913) und um Französischlehrern den Mut zu geben, ihre Rolle als Priester der Republik zu übernehmen. Sie müssen den Kindern eine „demokratische Moral“ vermitteln, die auf der Achtung der individuellen Rechte und der Liebe zur Nation beruht. Die Geschichte sollte zum Beispiel als die Errungenschaft der ersteren von den letzteren gelehrt werden: „Das Kind und später der Erwachsene werden lernen, dass die Rechte, die ihnen gewährt werden, die Freiheit, die sie genießen, die moralische Würde, die sie glauben Sie alle sind die Schöpfung dieses persönlichen, aber unpersönlichen Wesens, das wir Frankreich nennen. Nur durch die Konfrontation mit streng durchgesetzten Regeln lernen Kinder, etwas zu respektieren, das über sich hinausgeht – die Grundhaltung, die für alle Religionen, einschließlich der liberalen Demokratie, erforderlich ist.
Während er nicht argumentierte, dass der Staat die Religionsfreiheit einschränken sollte, glaubte Durkheim nicht, dass es möglich sein könnte, Kirche und Staat in dem Sinne zu trennen, wie es für die Verfechter von Frankreichs besonderer Form des Säkularismus, laïcité, üblich ist . Religion sei das Fundament der Politik, betonte er. Die Dritte Republik könnte nur gedeihen, wenn ihre Verteidiger sie als das anerkennen, was sie war: die wahre Kirche der Franzosen, die Institution, durch die sie den rechtstragenden Menschen verehrten.
Durkheims eigenwilliger Aufruf an den Staat, im Namen der Gesellschaft Individuen zu formen und ihre Ausbildung als religiöses Unternehmen zu verwalten, entfremdete potenzielle Verbündete wie liberale jüdische und protestantische Intellektuelle, die für eine Öffentlichkeit kämpften, die viele Formen religiöser Praxis aufnehmen könnte. Auch Antisemiten interessierten sich nicht für Durkheim. 1911 verfasste der Neffe von Gabriel Tarde, einem rivalisierenden Soziologen, eine Broschüre, in der er darauf hinwies, dass Durkheims Gesellschaftsverständnis ein „jüdischer Gott“ sei, eine „tyrannische“ Einheit, die die Menschheit durch eine Priesterkaste regiert.
Spätere Generationen von französisch-jüdischen Intellektuellen, darunter Durkheims eigener Neffe Marcel Mauss, waren nicht viel freundlicher. In den 1930er Jahren, als sie sahen, wie die NSDAP durch quasi-religiöse öffentliche Rituale die Macht in Deutschland übernahm, schien es Mauss und Durkheims ehemaligem Kollegen Léon Brunschvig, dass die Art des kollektiven Glaubens, die Durkheim feierte, dem Faschismus und nicht der Demokratie diente.
Die vom Dritten Reich ausgehenden Gefahren – Antisemitismus, Militarismus, Missachtung der Rechte des Einzelnen – waren Gefahren, die Durkheim kannte. Gerade durch die Meditation über ihre sozialen und psychologischen Ursachen hatte er seinen umstrittenen Glauben an die liberale Demokratie gefunden. Tatsächlich zeigt der Fall Deutschland aus der Sicht von Durkheim, dass das, was die Demokratie am meisten bedroht, zu wenig und nicht zu viel Vertrauen in den Einzelnen ist.
In einer Broschüre von 1915 Die deutsche Mentalität und der KriegDurkheim machte deutsche Denker wie Heinrich von Treitschke für den Ausbruch des Ersten Weltkrieges verantwortlich, die an der Fähigkeit des Einzelnen zum moralischen kollektiven Handeln gezweifelt hatten. Treitschke nahm die philosophische Skizze der Individuen der Aufklärungstradition und von Sozialwissenschaftlern wie Durkheim zu Herzen und betrachtete sie als im Wesentlichen eigennützige, isolierte Wesen, die keine authentischen sozialen Bindungen eingehen konnten, die über ihren Egoismus hinausgingen. Er argumentierte dementsprechend, dass deutsche Denker den Staat zu Recht verehrten, anstatt einen idealen Menschen zu verehren, der eigentlich nirgends zu finden ist – was den Vorteil hatte, tatsächlich zu existieren. Dem so verehrten deutschen Staat wurde die Freiheit eingeräumt, seine Untertanen zu unterdrücken und in seine Nachbarn einzudringen.

Es könnte den Anschein haben, dass Durkheim durch die Unterstützung einer Religion des idealen Individuums die Leser aufforderte, eine „edle Lüge“ über Individuen anzunehmen, die schrecklich sein können. Noch weit davon entfernt, die dunkleren Aspekte der menschlichen Natur zu ignorieren, scheint Durkheim in seiner Post-Dreyfus-Perspektive ein sensiblerer Beobachter seiner Paradoxien geworden zu sein.

Tage nach dem Tod seines Sohnes an der Balkanfront des Ersten Weltkriegs schrieb Durkheim an seinen Neffen Mauss: „Das Leben triumphiert über den Tod.“ Der achte Tag konnte sie nicht davon abhalten, nach Klatsch und Tratsch in der Nachbarschaft zu fragen. Sie hatte ihre Trauer nicht vergessen – aber am Leben zu sein heißt, sich von den eigenen Schmerzen und Freuden zu lösen und sich in das Leben anderer hineinziehen zu lassen. Was als das Schwierigste erscheint, was die Religion verlangen kann – die Überwindung des Eigeninteresses und des Todesangstes -, ist in der Tat äußerst gewöhnlich.
Jedes Merkmal der menschlichen Natur, das, wie Durkheim wusste, Hoffnung wecken könnte, kann böse eingesetzt werden. Unser Wunsch, in einer verständlichen Welt zusammen zu stehen, unsere Sehnsucht nach Gemeinschaft und unsere Bereitschaft, idealisierte Visionen über unbefriedigende Realitäten zu projizieren, können dazu führen, dass wir schreckliche Taten begehen. Aber es sind diese anhaltenden emotionalen Strukturen, die uns auch zur Verbindung mit anderen Menschen führen und die einzig mögliche Grundlage für eine anständige politische Ordnung bieten.

Der Beitrag erschien im Tablet Magazin vom November 15, 2019

Cheshvan 17, 5780 in englischer Sprache und wurde durch Google übersetzt!

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Lügen oder Bullshit in der modernen Gesellschaft?

Das Folgende ist nicht nur ein philosophischen Thema!

Wer sich mit Mediendesign, Meinungsproduktion und dem Journalismus der Jetztzeit befassen möchte, dem sei das folgende YouTube-Video sehr empfohlen, da es auch nach meiner Einschätzung unser derzeitigen Politik- und Gesellschaftsstruktur entspricht. Viel Spaß beim Sehen und Hören:

Prof. Norbert Bolz: Der Journalist als Oberlehrer

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Wir sollten die Zeichen der Zeit erkennen

Spätestens jetzt wäre es angebracht, zu erkennen, dass die westlichen Politiken gefährlich nahe an eine Entwicklung kommen, die zu einem neuen Faschismus führen kann.
Auch heute gibt es rasante Bewegungen, die dem alten/neuen Irrationalismus frönen, in der Form der Grünen (in fast allen links-liberalen Politiken) oder auch der AfD und deren Umfeld.

„Von der Romantik zum völkischen Denken
Der geistige und ideologische Charakter des völkischen Denkens war eine direkte Folgeerscheinung der Romantischen Bewegung des 19. Jahrhunderts. Wie die Romantik enthielten auch die völkischen Ideen eine deutliche Tendenz zum Irrationalen und Emotionalen, sie waren in erster Linie auf den Menschen und die Welt konzentriert und fanden aus diesem Grunde eine breite Resonanz. Der Rationalismus war fragwürdig geworden. Das subtil differenzierte Gedankensystem des Rationalismus des 18. Jahrhunderts wurde von dem überspült, was viele Menschen als unausweichliche soziale und historische Mächte ansahen. Dem geduldigen Experimentieren und der intellektuellen Disziplin der Aufklärung folgte ein Revolutionsideal, und der Begriff eines einzigen, fassbaren Gottes machte einer pantheistischen Weltsicht Platz.“

*G.L.Mosse, The Crisis of German Ideologie übersetzt von Renate Becker

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Ko To Tamo Peva

Eine Erinnerung und die Hoffnung, dass Europa etwas gelernt hat:

Am Samstag, dem 5. April 1941, einen Tag vor dem Einmarsch der Achsenmächte in das Königreich Jugoslawien , bestiegen eine bunte Gruppe von zufälligen Passagieren auf einer Landstraße tief im Herzen Serbiens einen heruntergekommenen Bus in Richtung Hauptstadt Belgrad . Die Gruppe besteht aus zwei Zigeunermusikern , einem Veteranen aus dem Ersten Weltkrieg , einem Germanophilen , einem angehenden Sänger, einem krank aussehenden Mann und einem Jäger mit einer Schrotflinte. Der Bus gehört Krstić Sr. und wird von seinem einprägsamen und schwachsinnigen Sohn Miško gefahren.
Unterwegs treffen sie auf einen Priester und zwei junge Brautpaare, die auf dem Weg zur Küste für ihre Flitterwochen sind und mit zahlreichen Schwierigkeiten konfrontiert sind: ein platter Reifen, eine wackelige Brücke, ein Bauer, der über die Straße gepflügt ist , eine Beerdigung, zwei verfeindete Familien, die Rekrutierung von Krstić Jr. in die Armee und eine verlorene Brieftasche. All dies verlangsamt den Bus und legt Risse zwischen den Reisenden frei.
Am frühen Morgen des Sonntags, dem 6. April, erreichen sie unter Kriegsgerüchten schließlich Belgrad , um mitten im Luftwaffenangriff ( Operation Punishment ) gefasst zu werden . Die einzigen überlebenden Passagiere sind die beiden Zigeunermusiker, die vor dem Ende das Titellied des Films singen.
https://en.wikipedia.org/wiki/Who%27s_Singin%27_Over_There%3F

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Zum versuchten Massenmord an Jom Kippur 5780 in Halle


Der rechtsextremistische Anschlag am 9. Oktober 2019 in Halle und meine Gedanken dazu:
Meine letzte Nacht und der darauf folgende Tag ließen mir keine Ruhe und ich überlegte hin und her, ob ich mein Statement zur politisch/philosophischen Einschätzung in einer meiner Blasen veröffentlichen soll (Twitter, Facebook oder dem eigenen Blog).
Seit der Tat und ihren Folgen (die heute noch gar nicht abgeschätzt werden können) geht eine unübersichtliche Menge an Beurteilungen durch die Medien. Es verunsicherten mich die teils unreifen und auch heuchlerischen Äußerungen von Politikern und oder Experten, von politisch (links, mitte, und rechts) die in die Öffentlichkeit „geblasen“ wurden und werden sehr.
Schon seit vielen Jahren spricht und schreibt Henryk M. Broder, dass der „Antisemitismus“ , ähnlich einer schweren psychischen Krankheit, nicht heilbar sei. Ganz gleich, wie man zu Broder steht, er hat höchstwahrscheinlich recht. Wenn wir dann noch hinzufügen, dass „Antisemitismus“ nur ein geschönter Begriff vom eigentlichen Judenhass und der dazu gehörigen Hetze ist, wird der ideologische und damit auch religiöse und politische Hintergrund deutlich. Die historischen Phasen des Judenhasses haben Zeitdimensionen, deren sich die meisten Staatsbürger/innen nicht oder kaum bewusst sind. Dieser Hass tritt in verschiedenen Formen auf und wird heute mit „Antisemitismus“, „Antizionismus“ oder auch „Anti-Israelismus“ nur unzureichend betitelt.
Ein Grund könnte sein, dass z.B. der „Westen“ eine grundsätzlich hellenistisch/römische Grundprägung hat und sich damit wesentlich auch vom älteren Judentum unterscheidet. Es führt dazu, dass wir uns in verschiedenen ideologischen Welten bewegen und dadurch eine entsprechende Sicht auf die Dinge (Natur oder Seele und Geist) haben.
Es gibt keine „Brücke“ in die andere Welt und wir (die Menschen des Westens) haben keinen Zugang in die Welt der Juden. Das gilt natürlich auch für die jüdische Weltsicht und solange die Sehsperre nicht beseitigt werden kann, gibt es die notwendige Annäherung nicht und ein Medikament gegen den Judenhass ist nicht in Sicht.
Bei dem rechtsextremen Anschlag in Halle wurden zwei Menschen (Jana L. und Kevin S.*) getötet, aber der Täter Stephan B. hatte eigentlich vor, in die Synagoge einzudringen, um dort die Jom Kippur Feiernden zu töten. Es war eine Tat aus Judenhass!
Es war in jeder Hinsicht ein furchtbares Verbrechen und die Aufregung und Hektik wahrlich verständlich. Was jedoch fragwürdig war und ist, wie und von wem danach politisches Kapital aus dem Mordanschlag zu gewinnen versucht wurde und immer noch wird.
Die Schuldsuche begann und ganz zu Recht wurde die rechtsextreme Gesinnung des Mörders ausgemacht. Sehr bald aber, wie so oft bei ähnlichen Geschehnissen, wurde definiert was der Grund für die kriminelle Entwicklung des Stephan Balliet wohl war und schon bald wurden sie festgemacht im rechten politischen Lager. Es fielen Partei und Personennamen, durch deren Gesinnung der Mörder geworden sei, was er ist.
Wie kann es sein, dass solche Arten der Beschuldigung hemmungslos um sich greifen? Sind nicht alle Formen der Persönlichkeitsbildung ursächlich mit mehr oder weniger großen Denkern oder Denkerinnen verbunden? Gehen nicht viele religiöse Judenhasser auf Martin Luther zurück? Hat nicht Pol Pot durch Karl Marx ideologische Grundlagen erhalten? Ist nicht Wilhem Marr einer der Urheber des modernen Antisemitismus?
Ich hoffe sehr, dass die Hetze gegen Juden, ob sie von politisch rechts (wo beginnt das eigentlich?), links oder gar aus der Mitte der Gesellschaft kommt, in Zukunft eingedämmt werden kann. Nicht unterschätzt werden sollte der Einfluss eines Islam, der die „Ungläubigen“ töten will.
Die Hetze und daraus folgend, der Hass kommen leider mehr oder weniger verklausuliert aus allen Richtungen in Deutschland, leider nicht nur dort.
Gerhard Kern

Weitere Hinweise bei: https://numeri249.wordpress.com/

  • An dieser Stelle noch mein Beileid an die Familien der beiden getöteten Menschen nicht jüdischer Herkunft Jana L. und Kevin S.*!
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„Fakten“ und Narrative und wie damit jongliert wird!

Hier sind zwei wissenschaftsorientierte Beiträge gegen die Fehler in der derzeitigen „Klimadebatte“ und der Verdummung der meissten Bürger und Bürgerinnen in vielen Gesellschaften.

1.
„Das alles wird man ohne viel Zeiteinsatz und die Rückendeckung eines solventen Verlages nie herausfinden und das soll man auch nicht. Denn hier ist eine so genannte „hassle barrier“ aufgetürmt, die nur unter großem Aufwand überwunden werden kann. Es ist einfach sehr zeitaufwändig, all den Verästelungen und Abhängigkeiten zu folgen, zumal viele davon im Nichts enden. Die Akteure begraben gewissermaßen die wichtigen Fakten unter einem Berg von Belanglosigkeiten. Als Kritiker soll man vor einer Wand stehen, die möglichst unüberwindlich, allumfassend und mächtig erscheint. Eine äußerst erfolgreiche Strategie.“

Die Spur der Scheine und die „hassle barrier“


2.
„Die Wissenschaft hat historisch gesehen alle religiösen Glaubenssysteme mit dem Ziel der Entdeckung, Problemlösung, des Fortschritts konfrontiert. Die wissenschaftliche Methode zielt darauf ab, richtig zu sein, bewährte Praktiken zu stärken und Falschheit abzulehnen. Die religiöse Reaktion zielt darauf ab, nicht falsch zu sein (und weniger Schaden zuzufügen). Der Hauptunterschied zwischen der wissenschaftlichen Logik und der Vorsorgelogik besteht darin, ob es darum geht, richtig zu sein“
Pascal’s Precautionary Wager: The Logic of Fear

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IS-Rekrutierung in der U-Haft?

„Hat Mine K. in der Untersuchungshaft Anschläge verherrlicht und versucht, Mithäftlinge für den IS zu begeistern? Sie selbst bestreitet das. „Ich habe mit dem IS nie was zu tun gehabt“, beteuerte sie am Donnerstag vor Gericht. Die Vernehmungen einer anderen IS-Rückkehrerin und eines Bild-Journalisten aber belasteten die 47-Jährige.

Beim Prozess gegen die mutmaßliche IS-Rückkehrerin Mine K. sagte am Montag vor dem 2. Strafsenat des Düsseldorfer Oberlandesgericht (OLG) eine andere Rückkehrerin als Zeugin aus. „Sie sehen sehr angestrengt aus“, wurde Annette L. vom Vorsitzenden Richter Frank Schreiber begrüßt. „Das ist ja kein Wunder“, erwiderte die 51-Jährige, die nach eigenen Angaben ihre Erlebnisse im IS-Gebiet mit Hilfe einer psychologischen Behandlung zu verarbeiten versucht und wegen ihrer Aussage bereits Tage zuvor „von muslimischen Kreisen“ im Internet als „Nazi“ beschimpft wurde. „Mir kommt das gerade wieder hoch.“ Schnell schilderte sie, wie sie Mine K. auf Facebook kennengelernt hatte.

Erlebnisse in ihrer Kindheit sowie ihre damalige Lebenssituation hätten im Ergebnis zu ihrem Entschluss geführt, in das IS-Gebiet auszureisen. So hätte sie das Sorgerecht für ihr Kind verloren, nachdem ihr Ex-Mann sie als extremistisch dargestellt habe. Auch hätte sie deswegen zweimal ihre Wohnung verloren. „Dann siehst du nur noch rot und willst abhauen“, sagte sie. „Und dann habe ich die Mine gefragt, wie man da runterkommt.“ Die aber hätte geantwortet, sie solle „nicht so viel fragen, sondern einfach tun“.

Facebook-Postings über „Jihad-Romantik“

Auch hätten falsche Darstellungen anderer IS-Frauen über „Jihad-Romantik“ auf Facebook zu ihrem Entschluss beigetragen: „Viele Frauen haben gepostet, wie toll das dort ist und dass sie in einer Villa wohnen.“ Außerdem hätte es geheißen, „hier wird man nicht wegen seiner Religion verfolgt“, schilderte die Konvertitin. „Dass man die Frauen dort wegsperrt, habe ich nicht gewusst. Da ist selbst Gefängnis besser.“ Mehrfach betonte sie: „Frauen sind halt manipulierbar, das ist leider so.“

Später fügte sie an, dass die deutsche Presse bei ihrer Berichterstattung über den Islamischen Staat (IS) „untertreiben“ würde: „Wenn im Fernsehen Berichte über den IS kommen, dann ist das Kindergarten im Vergleich zu dem, was da wirklich läuft.“ Später sagte sie: „Die Männer dort wollten…“ Weiterlesen →  https://vunv1863.wordpress.com

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Gustavo Bueno

Aus der Übersetzung durch Nicole Holzenthal des Buches „Der Mythos der Kultur“, erschienen im Peter Lang Verlag 2002:

Eintrag bei Wikipedia: Leben
Gustavo Bueno studierte an den Universitäten von Saragossa und Madrid. 1947 wurde er an der Universität Madrid mit der Arbeit Fundamento formal y material de la moderna filosofía de la religión bei Santiago Montero Díaz (1911–1985) promoviert. Bueno war ab 1949 Gymnasiallehrer und Lehrbeauftragter der Universität Salamanca. 1960 wurde er an die Universität Oviedo auf die Professur für „Grundlagen der Philosophie und Geschichte der philosophischen Systeme“ berufen. Bueno begründete die Philosophiezeitschrift El Basilisco. Einer breiteren Öffentlichkeit wurde er im spanischen Sprachraum durch die Teilnahme an öffentlichen Debatten in Radio, Fernsehen und Presse bekannt. Eine Gruppe von Mitarbeitern und Schülern Buenos, die dem philosophischen Materialismus verpflichtet sind, ist in Spanien als Schule von Oviedo bekannt. 1998 erfolgte die Gründung einer philosophischen Akademie Fundación Gustavo Bueno in Oviedo.

Bueno starb im August 2016 im Alter von 91 Jahren, zwei Tage nach dem Tod seiner Ehefrau, mit der er mehr als 60 Jahre verheiratet gewesen war.

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Klima + Wahrheit

So, wie die Auseinandersetzung derzeit verläuft, kann das Ergebnis nur die Spaltung der Gesellschaft bedeuten. Auf der einen Seite die fanatisierten Hypochonder (https://de.wikipedia.org/wiki/Hypochondrie) und ihnen gegenüber eine Wand der Bagatellisierer.

Die politische Diskussion zur Klimathematik nimmt mittlerweile schon fast absurde Formen an. Insofern ist es für den Interessierten um so wichtiger, sich mit Thesen sowohl von der politisch linken (progressiv), aber auch mit denen der politisch rechten (konservativ) Sichtweisen zu befassen. Mir kommt es jedenfalls darauf an, alle Richtungen und damit mit auch die liberale, also die mittlere Position, zu berücksichtigen. Die einen besitzen die Moral und die anderen die Rationalität, meinen oder glauben sie.

Beide nähern sich einer „Wahrheit“, die aber nach Prüfung verlangt. Das so etwas geschehe, setzt allerdings voraus, dass auf beiden Seiten der Wille und das Vermögen der Selbstkritik vorhanden ist oder zumindest angestrebt wird.

Einen hervorragenden Versuch, der meine vorher gehende Befassung mit dem Thema ergänzt, stellt der Beitrag von Prof. Stapelfeld dar und ich kann in nur empfehlen:

https://www.kritiknetz.de/ideologiekritik/1441-der-globale-protest-gegen-die-klimapolitik-der-fuehrenden-wirtschafts-nationen-und-die-wahlerfolge-der-partei-die-gruenen-in-deutschland

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