„Die wachsende Angst vor Irrelevanz“

Der israelische Historiker Yuval Noah Hariri schreibt ein aufrüttelndes Buch über den Technikwandel in unserer Zeit und der damit einhergehenden Gefahr der Domestikation des Menschen durch die KI und die Veränderung der politischen Landschaften in der Welt. Alles scheint möglich, von der liberalen Demokratie bis hin zu Diktaturen und Tyranneien.

„Für den Anfang müssen wir dem Verständnis der Funktionsweise des menschlichen Geistes eine viel höhere Priorität einräumen, insbesondere wie unsere eigene Weisheit und unser Mitgefühl kultiviert werden können. Wenn wir zu viel in die KI investieren und zu wenig in die Entwicklung des menschlichen Geistes investieren, könnte die sehr ausgeklügelte künstliche Intelligenz von Computern nur dazu dienen, die natürliche Dummheit der Menschen zu stärken und unsere schlimmsten (aber vielleicht auch mächtigsten) Impulse zu fördern. unter ihnen Gier und Hass. Um ein solches Ergebnis zu vermeiden, sollten wir für jeden Dollar und jede Minute, die wir in die Verbesserung der KI investieren, einen Dollar und eine Minute in die Erforschung und Entwicklung des menschlichen Bewusstseins investieren.“

https://www.theatlantic.com/magazine/archive/2018/10/yuval-noah-harari-technology-tyranny/568330/

Hariri ist durchaus umstritten und wird in Kommentaren im schlimmsten Fall als abtrus bezeichnet. Dennoch ist seine Gedankenwelt interessant für die Menschen, die sich die Frage stellen, wie können wir es verhindern, dass die menschliche Entwicklung einen Verlauf nimmt, so dass wir KI und Biochemie durch skrupellosen Tyrannen ausgeliefert werden. Hier liegt die Stärke der Thesen des israelischen Denkers. Er schreibt und spricht in einer Sprache, die zwar einfach  ist, aber auch von ungeübten oder nicht wissenschaftlich denkenden Menschen nachvollzogen werden kann.

Wer sich ein interessantes Interview mit Harari anlesen möchte, dem sei die Seite der digital pioneers empfohlen:
https://t3n.de/magazin/yuval-noah-harari-ki-biotech-koennten-uns-unserer-247035/

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Deutschland im ideologischen Umbruch?

Die Umfrageergebnisse zur Entwicklung der bisherigen Volksparteien CDU/CSU und SPD sind denkbar schlecht. Nun soll sich durch die Neuwahl eines oder einer Vorsitzenden in der CDU ein Neu-Aufschwung ergeben. Ob das eintritt muss sich erst noch zeigen. In der SPD gibt es nach wie vor eine Spaltung zwischen den Befürwortern eines Austritts aus der „großen“ Koalition und jenen, die an der Macht festhalten möchten. Ob dieser Streit beizulegen ist, auch das muss man abwarten.
Grüne und AfD wachsen beim Wähleranteil. Die Linke oder die FDP liegen knapp über der 5%-Marke.
Den meisten Einfluss im Machtgefüge haben ziemlich eindeutig die Grünen, obwohl sie noch zur Opposition gehören. Man darf fragen: Wie lange noch?
Wer oder welche genau hinsieht kann am Farbenspiel erkennen, dass die Farbe grün bei fast keiner Partei und auch bei Personen fehlen darf. Achten Sie mal auf die Bekleidung in Talkrunden oder bei dem kommerziellen Marktführern in der Werbung. Grün ist in und darf nicht mehr fehlen.
Nach meiner Prognose wird die nächste Bundesregierung relativ sicher von Grün angeführt. Nun darf gefragt werden, was das für die Bürger bedeutet?
Da ich kein Hellseher sein mag, kann es auch keine Antwort von mir auf die Frage geben.
Eins ist jedoch so sicher, wie das Amen. Die deutsche Welt wird irrationaler, okkulter oder esoterischer. Das regionale Volkstum, der Patriotismus, die Romantik werden zunehmen und Aufklärung und Rationalismus erhalten den Dämpfer, der sozusagen selbstverschuldet ist. Verschuldet, da Kritik in ihrem besten Sinn nicht den Platz in den herrschenden meist deutschen Philosophien bekam, der ihr dringend notwendig gebührt. Denn Kritik ist der Anfang jeder gesellschaftlichen Veränderung.
Wie schrieb schon Heinz Gess? „Mit der Wahrheit lügen“. Da sich eigentlich beides eigentlich ausschließt, bleibt nur die Hoffnung, dass die Suche nach der Wahrheit die Lüge entmachtet.

 

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Deutscher Islam?

In der Ankündigung der Sendung heute Abend (28.11.18) heißt es: „Islamkonferenz – Wie kann ein deutscher Islam aussehen?“. Es gibt einen Islam und den vielleicht in vielen Spielarten, wobei die Scharia immer ein Bestandteil dieser Ideologie ist. Aber ein „deutscher Islam“? Was bitteschön soll oder könnte deutsch daran sein? Notwendig wäre eine konsequente Islamkritik, wie es ja auch für andere Religionen/Ideologien eine notwendige und aufklärerische Kritik gab und gibt. Dan Diners Buch „Versiegelte Zeit. Über den Stillstand in der islamischen Welt“ könnte zumindest mal den richtigen Ansatz liefern. Es zeigt wie eine aufklärende Kritik bei diesem Thema wirksam sein könnte. Aber Selbstkritik ist bei den Apologeten des Islam, mit einigen Ausnahmen, nicht auffindbar.

Auch auf die Gefahr hin in Zukunft von den Freunden und Freundinnen der deutschtümelnden Regierungspropaganda oder einer völkischen Opposition vereinnahmt oder auch gehasst zu werden, möchte ich betonen, dass es mir darum geht, hier im Sinne der Kritischen Theorie oder auch eines Philosophischen Materialismus , die Aufklärung weiter zu treiben. Wobei das bedeutet auch die Ereignisse der Aufklärung kritisch zu begleiten.

Für eine Islamkonferenz, die in obigem Sinn tätig werden will, gehört allerdings eine rücksichtslose Betrachtung des Propheten und vieler Koran-Suren, die zur Gewalt gegen die „Unlgäubigen“ aufrufen. Es gehört auch eine Diskussion zur Wirkmächtigkeit der Scharia dazu.

Es dürfte interessant sein, welcher der Referate der Apologeten für die Allgemeinheit ins Internet gestellt werden, aber bitte in deutsch 🙂

Gerhard Kern, am 28.11.2018

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Wie Wahrheit zur Lüge wird

Ich hänge hier mal ein PDF-Dokument aus dem Kritiknetz (https://www.kritiknetz.de/)an,  da ich den Text für ungemein wichtig und richtig  halte. Insbesondere auch deshalb, da mich in der letzten Zeit immer wieder die Frage bedrängt, wie komme ich an die Wahrheiten im politischen und natürlich im philosophischen System? Eigentlich war es mir ja schon länger bekannt, dass je nach Medium, Meinungen unterbreitet werden, die sozusagen gefärbt sind.

Der Text ist eine Aktualisierung des „Pseudomenos“ von Adorno durch Heinz Gess .

https://www.kritiknetz.de/images/stories/texte/Pseudomenos_Mit_der_Wahrheit_luegen.pdf

Sehr aktuell ist der Bezug zum strittigen Thema, wie wir z.B. mit dem Islam umgehen sollten. Dazu gibt es z.B. in der deutschen Gesellschaft viele sehr unterschiedliche Meinungen, die teils fanatisch ausgefochten werden. Interessant dabei ist, dass fast überall auch richtige Aspekte (Wahrheiten) aufgegriffen werden, diese aber dann für den eigenen Machtanspruch genützt werden.

Nun würde mich sehr interessieren, ob der Text von den linken, liberalen oder konservativen Strategen aufgegriffen werden kann.

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Migration 2018

Derzeit kommt das Thema „Migration“ in eine neues globales Fahrwasser. Man bastelt an einem sogenannten „Migrationspakt“, der mehr oder weniger fertig im Dezember anerkannt werden soll. Mittlerweile gibt es allerdings auch Nationen, die in nicht oder so nicht unterschreiben wollen. Fatal ist zunächst einmal, dass der sogenannte Pakt mehr oder weniger an den Gesellschaften vorbei diskutiert wurde. Wer die Formulierungen kennt, wird erstaunt über die Mehrschichtigkeit der Interpretationen des Textes sein.

Es gab Zeiten, da ich die Phoenix-Runden angenehmer und sachlicher erlebte, als die anderen mit Claqueuren umrahmten Talkshows der ÖR.
Leider hat mich die gestrige Runde (20.11.2018) zum Thema „Migrationspakt“ bei Phoenix enttäuscht,
( https://www.phoenix.de/sendungen/gespraeche/phoenix-runde/streit-um-migrationspakt—welchen-weg-geht-die-union-a-497760.html ) da es mir so vorkam, als ob die Teilnehmer/innen mehr oder weniger die Meinung der Regierung replizierten. Die Kritik des Cicero Vertreters war relativ schwach und es wurde auch nicht richtig darauf eingegangen.
Eine sachliche und wissenschaftlich vertretbare Stellungnahme hätte zu einer gesellschaftlich relevanten Debatte führen können, wie dieses Beispiel zeigt:
Hannes Hofbauer zur „Kritik der Migration“:

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Tendenziell reaktionär

Das neue Deutschland tendiert zum Irrationalismus

Nun wird es langsam immer klarer. Nach der „Hessenwahl“ (28.11.18) darf man getrost davon ausgehen, dass die Republik immer irrationaler und reaktionärer wird. Der Aberglaube nimmt zu und erreicht auch bisher eher rational denkende Menschen. Optisch dürfte dass an den Grafiken zu den Wahlen gestern und heute sichtbar sein. Die im harten Kern okkult bis esoterisch (der die Einsicht in das Geheimwissen der Welt habe, auch der übersinnlichen) grundierte Ökopartei nimmt in fast allen Bundesländern zu und kann dankbar aus den irrationalen Rändern der SPD und auch der CDU/CSU profitieren. Die Zuwanderung ins linksliberale Milieu ist eindeutig. Aber auch die AfD schafft es mit Hessen nun in allen Ländern der Republik vertreten zu sein. Also Reaktion von links und rechts?
„Böse Buben“ sprechen davon, dass die Reaktionäre von der politisch rechten Seite Unterstützung von den politisch eher linken Protagonisten, z. B. den Grünen, erhalten. (Essay von Alexander Kissler zum neuen Buch von Mark Lilla „Der Glanz der Vergangenheit. Über den Geist der Reaktion“ Cicero Nr.09)
Verwiesen wird dort, dass der von Lilla vernachlässigte Louis de Bonald z. B. schrieb “ Die Schwachen begeistern sich für die Menschen und die Starken für die Dinge“. So wird vielleicht erklärlich, dass die neue deutsche Politik-Diskussion sich in erster Linie für die Anführer der politischen Parteien und Bewegungen interessiert und weniger an den Programmen ausgerichtet ist.
In jeder esoterischen oder okkulten Bewegung sind die Führer oder Gurus, wie sie dort heißen, maßgeblich für das Gelingen. Das gilt natürlich nicht nur für die Irrationalisten, aber hier ganz besonders.
Gemeinsam ist ihnen der Rückgriff auf längst Vergangenes mit dem Hinweis , dass früher alles besser gewesen sei und man daher wieder Zustände herauf beschwört, wie sie einmal waren. Sei es der gute alte Wald, eine Welt ohne, mindestens aber mit weniger Technik, ein Heimat-Verständnis, wie es völkischer gar nicht sein kann, usw.. Und politisch Rechts, wie Links scheinen damit Erfolg zu haben.
Und es reicht nicht aus, dass Herr Lindner den neuen Guru der Grünen öffentlich als „cremig“ bezeichnet, sondern es sollte schon der Anwurf mit etwas Aufklärung in der Sache gewürzt werden, was ihm bisher nicht gelang. Wenn über Nationalismus kontrovers gestritten wird, sollte zumindest anerkannt werden, das es Nationen gibt, die eine Nationalkultur haben. Dann darf gern überlegt werden, ob die Nation und ihre Kultur überwunden werden sollten oder überhaupt können. Will die „Weltgemeinschaft“ das denn?
Und zuletzt sei darauf verwiesen, dass es sehr wohl zu einer freien Gesellschaft gehört, dass man streitet und zuhört, um zu verstehen, was der oder die Andere überhaupt aussagen will. Das gilt im übrigen für alle demokratisch gewählten Parteien, Bewegungen und Individuen.

Gerhard Kern, am 29.11.2018

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Nation, Staat, Sinn und Begriff

anti3anti schreibt im Blog numeri 24:9 unter dem Titel „Keine Demokratie ohne Nationalstaat“ unter Bezug auf Hannah Arendt „Nationalstaat und Demokratie“ von 1963 folgenden Beitrag : https://numeri249.wordpress.com/

Das folgende Zitat soll verstanden werden als eine Ergänzung des Beitrags in Numeri 24:9. unter dem Titel „Keine Demokratie ohne Nationalstaat“ vom Februar 7.2018 und fordert zu einer Diskussion:

„Die Nationalkultur

Das «Volk Gottes››, die «heiligendmachende Gnade» und die <<Nationalkultur››

Das Konzept der <<Nationalkultur›› hat im Vergleich zu seiner Konnotation (oder Definition) eine relativ klare und deutliche Denotation.
Das Denotat von <<Nationalkultur›› wird durch die Kulturen der Nationen konstituiert, die wir <<kanonisch›› nennen, so wie Spanien, England oder Frankreich. Montandon schuf das Konzept Ethnie – der später vorzugsweise auf regionaler Ebene oder im ethnographischen Sinn, mit Referenz auf die kolonialen Territorien angewendet wurde -, eben indem er die französische Nation oder <<Ethnie›› zum Modell nahm; ihre Funktion als Kanon stammt also von den europäischen Nationen
der Neuzeit ab. Auf der anderen Seite kann das Denotat eine quasi-deskriptive Reichweite haben. Die Schwierigkeiten beginnen, wenn man versucht, die Struktur und die Bedeutung dieser Nationalkulturen zu definieren; denn diese Definitionen setzen nicht nur die Existenz von <<Kulturen›› genannten Entitäten voraus, als gegenseitig voneinander abgrenzte (im Grenzfall, megarische) Einheiten, sondern sie postulieren auch, dass diese Einheiten sich mit den Nationen überlagern. Das heißt, dass die genuinen Kulturen eben genau die Nationalkulturen sind, als Ausdrucksformen des Geistes jedes ihrer Völker.
Und dies ist eine bloße, metaphysische Ideologie. Denn die Nation als politische Einheit ist ein neuzeitliches Konzept (in anderer Terminologie: «zur Neuesten Geschichte, l8. und 19. Jahrhundert, gehörig››). Im Mittelalter und noch [zu Beginn der] Neuzeit hatte <<Nation››eher die Funktionen eines anthropologischen Begriffs inne als die eines politischen. (Nation stand für <<Leute››“, sogar für <<Ethnie›› oder allgemein für eine in einem Gebiet Verwurzelte Gemeinschaft, deren
Mitglieder in mehr oder weniger fernen Verwandtschaftsbeziehungen zueinander standen.) Das mittelalterliche oder neuzeitliche Homologon zu dem [heutigen] Begriff der Nation mit politischer Bedeutung ist das Konzept des <<Volkes››, als Materie der politischen Gesellschaft, des
Staates. Aber Staat impliziert eben das Zusammenfließen [Konfluenz] [Im Original steht hier <<gente›› von lat. <<gens, gentís››.]von zwei oder mehren Nationen (bzw. <<Leuten››, Stämmen oder Ethnien, im ethnographischen Sinn), deren Konflikte eben durch den Staat ihr dynamisches Gleichgewicht (die eutaxía) finden. Ein Gleichgewicht, das der Staat, um es in der Formel von Max Weber zu sagen, mittels des Gewaltmonopols erlangt (das manchmal die Gewalt einer Ethnie
über die anderen ist, auch wenn in «Einverständnis›› oder Pakt – dadurch aber nicht weniger ungerecht – der unterworfenen Ethnien).
Bei einem gegebenen plurinationalen Staat, wie beispielsweise dem römischen Reich, versteht sich, dass in seinem Gebiet ein minimaler Prozess der Homogenisierung der ihn zusammensetzenden Völker stattfinden musste, was die Sprache, den Kult gegenüber dem Kaiser, die
Bräuche usw. anbetrifft.
Die Homogenisierung findet ihre niedrigste Stufe in den schriftlosen, analphabetischen Gesellschaften, in denen die Schrift das Gut von sehr reduzierten Gruppen ist.“ Der ausgereifte Staat zerteilte sich weitestgehend durch die Handlung der eindringenden Völker. Man könnte eine «Neudarstellung›› des Staats- oder Reichsverfassungsvorganges durchführen, indem man von dem Ansatz der konfliktreichen Konfluenz zu verschiedenen Nationen oder Ethnien ausgeht, wie dies
bei den <<Nachfolgereichen›› des römischen Reiches im Mittelalter der Fall war.
Es ist aber gleichzeitig wahr, dass sich durch Überschreitungen der Trennlinien zwischen verschiedenen Reichen oder Staaten (teilweise dank des juristischen, verwaltungstechnischen usw. Erbes der Antike) künstlerische, religiöse und politische Formen entwickelt haben, deren
überstaatlicher oder zwischenstaatlicher Charakter eben mit der Kirche verbunden war: das Latein als gemeinsame Sprache der Wissenschaft, der Philosophie und der scholastischen Theologie, die Architektur und die romanische oder gotische Skulptur, das höfische und kirchliche Zeremoniell, die gregorianischen Gesänge und die Orgel usw. Es wäre hier noch nicht möglich, von «nationalen Kulturen» zu sprechen- und das abgesehen davon, dass die Architektur (aber nicht beispiels-
weise die Musik) in einem Reich mehr blühte als in einem anderen, in welchem vielleicht die Malerei oder das Recht zur Blüte kam.“

Zitat aus „Der Mythos der Kultur“ – Peter Lang Verlag – von Gustavo Bueno (übersetzt durch Frau Nicole Holzenthal)

https://numeri249.wordpress.com/

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Grau ist alle Theorie?

Eine Antwort an den Philosophen Alexander Grau zum Artikel: https://www.cicero.de/kultur/68-68er-gesellschaft–hedonismus-marx-marcuse

Lieber Alexander Grau,
auch ich liebe die Sophie und manchmal den Cicero. Auch ich bin irgendwie einer der 68er, die es, so wie Sie es unterstellen, gar nicht als homogene Masse gibt. Überhaupt war ich von Ihrem Beitrag, gelinde gesagt, etwas enttäuscht. Aber Enttäuschungen können ja manchmal zu Klärungen beitragen.
Sie entfachen ein Bashing gegenüber einer ganzen Generation, der Sie Konsumbesessenheit unterstellen: „Tatsächlich war es der ideologische Freibrief für einen als antiautoritäres Selbstfindungsgetue getarnten Egoismus und grenzenlosen Konsum.“, behaupten Sie und fügen gleich noch hinzu, dass so etwas wie „egomane Selbstfindung“ zu „moralischer Selbstglorifizierung“ geführt habe. Und so weiter und fort.
Sie schreiben dort tatsächlich, „Doch die Studenten von 68 lasen nicht mehr Marx.“ Ja sie lasen auch Marcuse, Fromm, Adorno, Freud, ect. Es gab in der Zeit von und nach 1968 einen regelrechten Bildungsschub, hin zu aufklärerischer Theorie. Auch zu Marx.
Interessant wird es dort, wo Sie festlegen, dass „….zum einen setzen die gesellschaftlichen Modernisierungsprozesse, die mit 68 assoziiert werden, schon sehr viel früher ein.“ Das machen Sie geschickt, denn die von Ihnen sogenannten „Modernisierungsprozesse“ setzen schon weit davor an. Ist denn nicht die menschliche Gesellschaft schon immer in einem Modernisierungsprozess? Historische Daten werden immer von jenen gesetzt, die die Definitionsmacht haben.
Wo Sie Recht haben, werde ich nicht widersprechen. Die „Auslöser einer gesellschaftlichen Revolution, sondern deren Ergebnis.“ waren nicht die 68er. Allerdings handelte es sich auch nicht um eine Revolution, sondern bestenfalls um eine Revolte oder ein Aufbehren, welche/s auch nicht nur in Deutschland statt fand. Eine Revolte, ein Aufbegehren gegen die Heuchelei und Scheinheiligkeit großer Teile der Gesellschaft, oder der Elterngeneration.
Sehr viel informativer, auch sachlicher und ganz und gar nicht moralisch aufgeladen könnten Sie sich informieren duch die Schwerpunkt-Ausgabe der Jungle World Nr.51/52 2017 „Happy Birthday ’68“, in der kritische und positive Betrachtungen gleichmaßen berücksichtigt werden. (https://jungle.world/inhalt/2017/51)
Sehr geehrter Herr Grau, Sie zitieren KM: „Es ist nicht das Bewusstsein der Menschen, dass ihr Sein, sondern umgekehrt ihr gesellschaftliches Sein, das ihr Bewusstsein bestimmt.“.
Hier könnte/sollte die Diskussion beginnen, nämlich, ob Ursache oder Wirkung am Anfang stehen? „Henne oder Ei?“
Hätte es in der herrschenden politischen Klasse vor 68 so etwas wie die von Ihnen geforderte Selbstkritik gegeben, wären die Aufstände, Empörungen und Revolten gar nicht erst entstanden.
Es könnte doch vielleicht auch so sein, dass ein bestimmtes Bewußtsein die Dinge oder Gesellschaft verändert, ob moralisch, ethisch, interessengeleitet oder sachlich. Wichtig ist doch „was hinten raus kommt“ 🙂 und ob das in „unserem Sinne“ ist.
Cui Bono fragte schon Cicero.

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„Jamaika“

Nun ist der mittelschöne Traum einer Vierparteien-Regierung (CDU/CSU/Grüne/FDP) auch entgegen meiner eigenen Annahme wohl endgültig geplatzt. Gestern Abend und in der ersten Morgenstunde war es soweit, als Christian Lindner die Verhandlungen verließ und das Ende des Projektes „Jamaika“ verkündete.
Mittelschön, also nicht ganz schön, aber auch nicht ganz schlecht, war der Versuch über ideologische sogenannte „Schmerzgrenzen“ hinweg eine Regierung zu bilden. Eine möglichst „stabile“ sollte es werden, obzwar absehbar war, dass es wohl kaum gut gehen würde. Zum Einen fehlte es am persönlichen Vertrauen der Teilnehmer untereinander und zum Anderen ließen sich die grundsätzlichen Parteiausrichtungen nicht so anpassen, dass die an die Macht wollenden Parteigranden keinen sogenannten Gesichtsverlust erleiden würden.
Nun steht eines der größten Wirtschaftsnationen vor einen Desaster und wie es aussieht vor äußerst schwierigen Versuchen eine neue Regierung zu bilden. Es ist davon auszugehen, dass in den nächsten Tagen Politiker mithilfe ihrer Medien sich in gegenseitigen Schuldzuweisungen übertreffen werden.
Dem Wahlvolk, wozu ich ja auch zähle, bleibt nichts anderes übrig, als anzuwarten, wie der Bundespräsident vorgehen wird. Denn nun liegt es in der Hand des Herrn Steinmeier, ob es zu Neuwahlen oder der Bildung einer Minderheiten-Regierung kommen wird.
Wie schon Gerd Buurmann im Blog „Tapfer im Nirgendwo“ unter https://tapferimnirgendwo.com/2017/11/20/heute-ist-ein-guter-tag-fuer-die-demokratie/
argumentiert, könnte das Ende dieses denkwürdigen Ergebnisses auch eine Chance liegen, die Demokratie so zu reformieren, dass in Zukunft Abgeordnete tatsächlich im Sinne ihres Gewissens diskutieren und entscheiden können.
Ob das gelingen kann, wird sich zeigen.
Ich bin eher pessimistisch!

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Gustavo Bueno Martinez

Es gab und gibt in Europa in der Vergangenheit Ereignisse, die für die zivilisierte Menschheit fast unvorstellbar waren und sind. Auch in der heutigen Zeit haben wir Tendenzen, nicht nur in Deutschland, die und in die Barbarei zurückführen könnten.

Erschreckender Weise hat der (Kultur)Staat, an dessen Wesen doch die Welt genesen soll und der gerade durch diesen philosophischen Hochmut soviel Leid und Verbrechen ermöglicht und durchgeführt hat, mittlerweile eine Führungsrolle in der „westlichen“ Welt übernommen.

Gern sprechen wir allgemein und mit Nachdruck von den Werten Europas. Wenn man nachfragt, was denn gemeint sei, kommen die Menschen schnell in Erklärungsnot und wenn man es etwas genauer wissen will stellt man sehr schnell fest, dass außer Nebel wenig Licht die Frage erhellt. 28 Staaten, 28 Nationen, 28 Nationalkulturen wetteifern um die Hegemonie.

Vielleicht könnte der „Mythos der Kultur“ von Bueno, aus dem Spanischen ins Deutsche übersetzt, aus philosophischer Disziplin einige grundlegende Orientierungen liefern; vor allem eben auch eine grundsätzliche Fragestellung liefern, welche die deutsche Philosophie und ihren Wahrheitsanspruch betrifft. Beim Anspruch „Unserer Werte“ ist es doch völlig unverständlich, wie es denn zu „Auschwitz“ führen konnte.

Anmerkung: Gustavo Bueno Martinez starb am 07. August 2016

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