Zum versuchten Massenmord an Jom Kippur 5780 in Halle


Der rechtsextremistische Anschlag am 9. Oktober 2019 in Halle und meine Gedanken dazu:
Meine letzte Nacht und der darauf folgende Tag ließen mir keine Ruhe und ich überlegte hin und her, ob ich mein Statement zur politisch/philosophischen Einschätzung in einer meiner Blasen veröffentlichen soll (Twitter, Facebook oder dem eigenen Blog).
Seit der Tat und ihren Folgen (die heute noch gar nicht abgeschätzt werden können) geht eine unübersichtliche Menge an Beurteilungen durch die Medien. Es verunsicherten mich die teils unreifen und auch heuchlerischen Äußerungen von Politikern und oder Experten, von politisch (links, mitte, und rechts) die in die Öffentlichkeit „geblasen“ wurden und werden sehr.
Schon seit vielen Jahren spricht und schreibt Henryk M. Broder, dass der „Antisemitismus“ , ähnlich einer schweren psychischen Krankheit, nicht heilbar sei. Ganz gleich, wie man zu Broder steht, er hat höchstwahrscheinlich recht. Wenn wir dann noch hinzufügen, dass „Antisemitismus“ nur ein geschönter Begriff vom eigentlichen Judenhass und der dazu gehörigen Hetze ist, wird der ideologische und damit auch religiöse und politische Hintergrund deutlich. Die historischen Phasen des Judenhasses haben Zeitdimensionen, deren sich die meisten Staatsbürger/innen nicht oder kaum bewusst sind. Dieser Hass tritt in verschiedenen Formen auf und wird heute mit „Antisemitismus“, „Antizionismus“ oder auch „Anti-Israelismus“ nur unzureichend betitelt.
Ein Grund könnte sein, dass z.B. der „Westen“ eine grundsätzlich hellenistisch/römische Grundprägung hat und sich damit wesentlich auch vom älteren Judentum unterscheidet. Es führt dazu, dass wir uns in verschiedenen ideologischen Welten bewegen und dadurch eine entsprechende Sicht auf die Dinge (Natur oder Seele und Geist) haben.
Es gibt keine „Brücke“ in die andere Welt und wir (die Menschen des Westens) haben keinen Zugang in die Welt der Juden. Das gilt natürlich auch für die jüdische Weltsicht und solange die Sehsperre nicht beseitigt werden kann, gibt es die notwendige Annäherung nicht und ein Medikament gegen den Judenhass ist nicht in Sicht.
Bei dem rechtsextremen Anschlag in Halle wurden zwei Menschen (Jana L. und Kevin S.*) getötet, aber der Täter Stephan B. hatte eigentlich vor, in die Synagoge einzudringen, um dort die Jom Kippur Feiernden zu töten. Es war eine Tat aus Judenhass!
Es war in jeder Hinsicht ein furchtbares Verbrechen und die Aufregung und Hektik wahrlich verständlich. Was jedoch fragwürdig war und ist, wie und von wem danach politisches Kapital aus dem Mordanschlag zu gewinnen versucht wurde und immer noch wird.
Die Schuldsuche begann und ganz zu Recht wurde die rechtsextreme Gesinnung des Mörders ausgemacht. Sehr bald aber, wie so oft bei ähnlichen Geschehnissen, wurde definiert was der Grund für die kriminelle Entwicklung des Stephan Balliet wohl war und schon bald wurden sie festgemacht im rechten politischen Lager. Es fielen Partei und Personennamen, durch deren Gesinnung der Mörder geworden sei, was er ist.
Wie kann es sein, dass solche Arten der Beschuldigung hemmungslos um sich greifen? Sind nicht alle Formen der Persönlichkeitsbildung ursächlich mit mehr oder weniger großen Denkern oder Denkerinnen verbunden? Gehen nicht viele religiöse Judenhasser auf Martin Luther zurück? Hat nicht Pol Pot durch Karl Marx ideologische Grundlagen erhalten? Ist nicht Wilhem Marr einer der Urheber des modernen Antisemitismus?
Ich hoffe sehr, dass die Hetze gegen Juden, ob sie von politisch rechts (wo beginnt das eigentlich?), links oder gar aus der Mitte der Gesellschaft kommt, in Zukunft eingedämmt werden kann. Nicht unterschätzt werden sollte der Einfluss eines Islam, der die „Ungläubigen“ töten will.
Die Hetze und daraus folgend, der Hass kommen leider mehr oder weniger verklausuliert aus allen Richtungen in Deutschland, leider nicht nur dort.
Gerhard Kern

Weitere Hinweise bei: https://numeri249.wordpress.com/

  • An dieser Stelle noch mein Beileid an die Familien der beiden getöteten Menschen nicht jüdischer Herkunft Jana L. und Kevin S.*!

Über Gerhard A. Kern

Geboren kurz vor dem Ende des national-sozialistischen 3. Reiches, als Kind unterprivilegierter Eltern. Der Vater als Unteroffizier in Russland verschwunden. Einfache Schulausbildung, Handwerkslehre, Erzieher, autodidaktische Schulungen, Anarchist, pädagogischer Heimleiter in Einrichtungen der Eingliederungshilfe, Autor und Referent, Verleger eines Selbstverlages, politisch parteiisch aber zur Zeit in keiner Partei. Motto: "Jede Wahrheit ist zu hinterfragen und Kritik sollte und darf immer schonungslos sein!"
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