Nation, Staat, Sinn und Begriff

Februar 8th, 2018

anti3anti schreibt im Blog numeri 24:9 unter dem Titel „Keine Demokratie ohne Nationalstaat“ unter Bezug auf Hannah Arendt „Nationalstaat und Demokratie“ von 1963 folgenden Beitrag : https://numeri249.wordpress.com/

Das folgende Zitat soll verstanden werden als eine Ergänzung des Beitrags in Numeri 24:9. unter dem Titel „Keine Demokratie ohne Nationalstaat“ vom Februar 7.2018 und fordert zu einer Diskussion:

„Die Nationalkultur

Das «Volk Gottes››, die «heiligendmachende Gnade» und die <<Nationalkultur››

Das Konzept der <<Nationalkultur›› hat im Vergleich zu seiner Konnotation (oder Definition) eine relativ klare und deutliche Denotation.
Das Denotat von <<Nationalkultur›› wird durch die Kulturen der Nationen konstituiert, die wir <<kanonisch›› nennen, so wie Spanien, England oder Frankreich. Montandon schuf das Konzept Ethnie – der später vorzugsweise auf regionaler Ebene oder im ethnographischen Sinn, mit Referenz auf die kolonialen Territorien angewendet wurde -, eben indem er die französische Nation oder <<Ethnie›› zum Modell nahm; ihre Funktion als Kanon stammt also von den europäischen Nationen
der Neuzeit ab. Auf der anderen Seite kann das Denotat eine quasi-deskriptive Reichweite haben. Die Schwierigkeiten beginnen, wenn man versucht, die Struktur und die Bedeutung dieser Nationalkulturen zu definieren; denn diese Definitionen setzen nicht nur die Existenz von <<Kulturen›› genannten Entitäten voraus, als gegenseitig voneinander abgrenzte (im Grenzfall, megarische) Einheiten, sondern sie postulieren auch, dass diese Einheiten sich mit den Nationen überlagern. Das heißt, dass die genuinen Kulturen eben genau die Nationalkulturen sind, als Ausdrucksformen des Geistes jedes ihrer Völker.
Und dies ist eine bloße, metaphysische Ideologie. Denn die Nation als politische Einheit ist ein neuzeitliches Konzept (in anderer Terminologie: «zur Neuesten Geschichte, l8. und 19. Jahrhundert, gehörig››). Im Mittelalter und noch [zu Beginn der] Neuzeit hatte <<Nation››eher die Funktionen eines anthropologischen Begriffs inne als die eines politischen. (Nation stand für <<Leute››“, sogar für <<Ethnie›› oder allgemein für eine in einem Gebiet Verwurzelte Gemeinschaft, deren
Mitglieder in mehr oder weniger fernen Verwandtschaftsbeziehungen zueinander standen.) Das mittelalterliche oder neuzeitliche Homologon zu dem [heutigen] Begriff der Nation mit politischer Bedeutung ist das Konzept des <<Volkes››, als Materie der politischen Gesellschaft, des
Staates. Aber Staat impliziert eben das Zusammenfließen [Konfluenz] [Im Original steht hier <<gente›› von lat. <<gens, gentís››.]von zwei oder mehren Nationen (bzw. <<Leuten››, Stämmen oder Ethnien, im ethnographischen Sinn), deren Konflikte eben durch den Staat ihr dynamisches Gleichgewicht (die eutaxía) finden. Ein Gleichgewicht, das der Staat, um es in der Formel von Max Weber zu sagen, mittels des Gewaltmonopols erlangt (das manchmal die Gewalt einer Ethnie
über die anderen ist, auch wenn in «Einverständnis›› oder Pakt – dadurch aber nicht weniger ungerecht – der unterworfenen Ethnien).
Bei einem gegebenen plurinationalen Staat, wie beispielsweise dem römischen Reich, versteht sich, dass in seinem Gebiet ein minimaler Prozess der Homogenisierung der ihn zusammensetzenden Völker stattfinden musste, was die Sprache, den Kult gegenüber dem Kaiser, die
Bräuche usw. anbetrifft.
Die Homogenisierung findet ihre niedrigste Stufe in den schriftlosen, analphabetischen Gesellschaften, in denen die Schrift das Gut von sehr reduzierten Gruppen ist.“ Der ausgereifte Staat zerteilte sich weitestgehend durch die Handlung der eindringenden Völker. Man könnte eine «Neudarstellung›› des Staats- oder Reichsverfassungsvorganges durchführen, indem man von dem Ansatz der konfliktreichen Konfluenz zu verschiedenen Nationen oder Ethnien ausgeht, wie dies
bei den <<Nachfolgereichen›› des römischen Reiches im Mittelalter der Fall war.
Es ist aber gleichzeitig wahr, dass sich durch Überschreitungen der Trennlinien zwischen verschiedenen Reichen oder Staaten (teilweise dank des juristischen, verwaltungstechnischen usw. Erbes der Antike) künstlerische, religiöse und politische Formen entwickelt haben, deren
überstaatlicher oder zwischenstaatlicher Charakter eben mit der Kirche verbunden war: das Latein als gemeinsame Sprache der Wissenschaft, der Philosophie und der scholastischen Theologie, die Architektur und die romanische oder gotische Skulptur, das höfische und kirchliche Zeremoniell, die gregorianischen Gesänge und die Orgel usw. Es wäre hier noch nicht möglich, von «nationalen Kulturen» zu sprechen- und das abgesehen davon, dass die Architektur (aber nicht beispiels-
weise die Musik) in einem Reich mehr blühte als in einem anderen, in welchem vielleicht die Malerei oder das Recht zur Blüte kam.“

Zitat aus „Der Mythos der Kultur“ – Peter Lang Verlag – von Gustavo Bueno (übersetzt durch Frau Nicole Holzenthal)

https://numeri249.wordpress.com/

Grau ist alle Theorie?

Januar 19th, 2018

Eine Antwort an den Philosophen Alexander Grau zum Artikel: https://www.cicero.de/kultur/68-68er-gesellschaft–hedonismus-marx-marcuse

Lieber Alexander Grau,
auch ich liebe die Sophie und manchmal den Cicero. Auch ich bin irgendwie einer der 68er, die es, so wie Sie es unterstellen, gar nicht als homogene Masse gibt. Überhaupt war ich von Ihrem Beitrag, gelinde gesagt, etwas enttäuscht. Aber Enttäuschungen können ja manchmal zu Klärungen beitragen.
Sie entfachen ein Bashing gegenüber einer ganzen Generation, der Sie Konsumbesessenheit unterstellen: „Tatsächlich war es der ideologische Freibrief für einen als antiautoritäres Selbstfindungsgetue getarnten Egoismus und grenzenlosen Konsum.“, behaupten Sie und fügen gleich noch hinzu, dass so etwas wie „egomane Selbstfindung“ zu „moralischer Selbstglorifizierung“ geführt habe. Und so weiter und fort.
Sie schreiben dort tatsächlich, „Doch die Studenten von 68 lasen nicht mehr Marx.“ Ja sie lasen auch Marcuse, Fromm, Adorno, Freud, ect. Es gab in der Zeit von und nach 1968 einen regelrechten Bildungsschub, hin zu aufklärerischer Theorie. Auch zu Marx.
Interessant wird es dort, wo Sie festlegen, dass „….zum einen setzen die gesellschaftlichen Modernisierungsprozesse, die mit 68 assoziiert werden, schon sehr viel früher ein.“ Das machen Sie geschickt, denn die von Ihnen sogenannten „Modernisierungsprozesse“ setzen schon weit davor an. Ist denn nicht die menschliche Gesellschaft schon immer in einem Modernisierungsprozess? Historische Daten werden immer von jenen gesetzt, die die Definitionsmacht haben.
Wo Sie Recht haben, werde ich nicht widersprechen. Die „Auslöser einer gesellschaftlichen Revolution, sondern deren Ergebnis.“ waren nicht die 68er. Allerdings handelte es sich auch nicht um eine Revolution, sondern bestenfalls um eine Revolte oder ein Aufbehren, welche/s auch nicht nur in Deutschland statt fand. Eine Revolte, ein Aufbegehren gegen die Heuchelei und Scheinheiligkeit großer Teile der Gesellschaft, oder der Elterngeneration.
Sehr viel informativer, auch sachlicher und ganz und gar nicht moralisch aufgeladen könnten Sie sich informieren duch die Schwerpunkt-Ausgabe der Jungle World Nr.51/52 2017 „Happy Birthday ’68“, in der kritische und positive Betrachtungen gleichmaßen berücksichtigt werden. (https://jungle.world/inhalt/2017/51)
Sehr geehrter Herr Grau, Sie zitieren KM: „Es ist nicht das Bewusstsein der Menschen, dass ihr Sein, sondern umgekehrt ihr gesellschaftliches Sein, das ihr Bewusstsein bestimmt.“.
Hier könnte/sollte die Diskussion beginnen, nämlich, ob Ursache oder Wirkung am Anfang stehen? „Henne oder Ei?“
Hätte es in der herrschenden politischen Klasse vor 68 so etwas wie die von Ihnen geforderte Selbstkritik gegeben, wären die Aufstände, Empörungen und Revolten gar nicht erst entstanden.
Es könnte doch vielleicht auch so sein, dass ein bestimmtes Bewußtsein die Dinge oder Gesellschaft verändert, ob moralisch, ethisch, interessengeleitet oder sachlich. Wichtig ist doch „was hinten raus kommt“ 🙂 und ob das in „unserem Sinne“ ist.
Cui Bono fragte schon Cicero.

„Jamaika“

November 20th, 2017

Nun ist der mittelschöne Traum einer Vierparteien-Regierung (CDU/CSU/Grüne/FDP) auch entgegen meiner eigenen Annahme wohl endgültig geplatzt. Gestern Abend und in der ersten Morgenstunde war es soweit, als Christian Lindner die Verhandlungen verließ und das Ende des Projektes „Jamaika“ verkündete.
Mittelschön, also nicht ganz schön, aber auch nicht ganz schlecht, war der Versuch über ideologische sogenannte „Schmerzgrenzen“ hinweg eine Regierung zu bilden. Eine möglichst „stabile“ sollte es werden, obzwar absehbar war, dass es wohl kaum gut gehen würde. Zum Einen fehlte es am persönlichen Vertrauen der Teilnehmer untereinander und zum Anderen ließen sich die grundsätzlichen Parteiausrichtungen nicht so anpassen, dass die an die Macht wollenden Parteigranden keinen sogenannten Gesichtsverlust erleiden würden.
Nun steht eines der größten Wirtschaftsnationen vor einen Desaster und wie es aussieht vor äußerst schwierigen Versuchen eine neue Regierung zu bilden. Es ist davon auszugehen, dass in den nächsten Tagen Politiker mithilfe ihrer Medien sich in gegenseitigen Schuldzuweisungen übertreffen werden.
Dem Wahlvolk, wozu ich ja auch zähle, bleibt nichts anderes übrig, als anzuwarten, wie der Bundespräsident vorgehen wird. Denn nun liegt es in der Hand des Herrn Steinmeier, ob es zu Neuwahlen oder der Bildung einer Minderheiten-Regierung kommen wird.
Wie schon Gerd Buurmann im Blog „Tapfer im Nirgendwo“ unter https://tapferimnirgendwo.com/2017/11/20/heute-ist-ein-guter-tag-fuer-die-demokratie/
argumentiert, könnte das Ende dieses denkwürdigen Ergebnisses auch eine Chance liegen, die Demokratie so zu reformieren, dass in Zukunft Abgeordnete tatsächlich im Sinne ihres Gewissens diskutieren und entscheiden können.
Ob das gelingen kann, wird sich zeigen.
Ich bin eher pessimistisch!

Gustavo Bueno Martinez

November 12th, 2017

Es gab und gibt in Europa in der Vergangenheit Ereignisse, die für die zivilisierte Menschheit fast unvorstellbar waren und sind. Auch in der heutigen Zeit haben wir Tendenzen, nicht nur in Deutschland, die und in die Barbarei zurückführen könnten.

Erschreckender Weise hat der (Kultur)Staat, an dessen Wesen doch die Welt genesen soll und der gerade durch diesen philosophischen Hochmut soviel Leid und Verbrechen ermöglicht und durchgeführt hat, mittlerweile eine Führungsrolle in der „westlichen“ Welt übernommen.

Gern sprechen wir allgemein und mit Nachdruck von den Werten Europas. Wenn man nachfragt, was denn gemeint sei, kommen die Menschen schnell in Erklärungsnot und wenn man es etwas genauer wissen will stellt man sehr schnell fest, dass außer Nebel wenig Licht die Frage erhellt. 28 Staaten, 28 Nationen, 28 Nationalkulturen wetteifern um die Hegemonie.

Vielleicht könnte der „Mythos der Kultur“ von Bueno, aus dem Spanischen ins Deutsche übersetzt, aus philosophischer Disziplin einige grundlegende Orientierungen liefern; vor allem eben auch eine grundsätzliche Fragestellung liefern, welche die deutsche Philosophie und ihren Wahrheitsanspruch betrifft. Beim Anspruch „Unserer Werte“ ist es doch völlig unverständlich, wie es denn zu „Auschwitz“ führen konnte.

Anmerkung: Gustavo Bueno Martinez starb am 07. August 2016

Klima

November 7th, 2017

Nun ist es wieder so weit. Das Thema beherrscht Deutschland und den Versuch eine neue Regierung durch eine Jamaika-Koalition zu bilden. Völlig ohne Sinne und Verstand werden Begriffe, wie „Klimawandel“, Klimaerwärmung“,“Klima-Leugner“, „Energie-Wende“ definiert, wie es gerade dem Kämpfer oder der Kämpferin für eine gute und lebenswerte Zukunft ins Weltbild passt.
Die einen sehen die Welt aus einer ideologischen oder moralischen Weltsicht und die anderen meinen in der Politik gehe alles nach rationalen oder gar vernünftigen Kriterien.
Dass beides nur die halbe Wahrheit sein könnte, kommt den sogenannten Intellektuellen gar nicht erst in den Sinn.
So wirkt das Ganze eben wie ein großes Theater zwischen Gut und Böse, oder etwas weniger moralisch, zwischen Richtig und Falsch.
Es wird sich wohl auch diesmal wieder zeigen, dass wir meilenweit von einer Weltgesellschaft entfernt sind, die gemeinsam an den Lösungen für diesen Planeten mit seinen Menschen arbeitet.
Interessant wird es sein, ob in den Debatten oder Vorträgen das ökonomische System beachtet und ob die Verhinderung der Armut von Menschen eine Rolle spielen wird.

Hier ein Link zur ZEIT: http://www.zeit.de/wirtschaft/2017-11/klimakonferenz-bonn-deutschland-klimaziele-co2

Die Wahl

September 25th, 2017

Die Wahl 2017

Nun liegt das Ergebnis einer Wahl vor, welches eigentlich bestätigt, was vorhersehbar war.

Die rechtsradikale Stimmung überwiegt, wie auch in anderen Ländern der Welt, auch in Deutschland und bildet das auch im Wahlergebnis vom 24. September des Jahres ab. Auch die neue Regierungsbildung bestätigt den Trend, denn durch die wahrscheinlich regierenden Parteien wird deutlich, dass der Zug nach Rechts weiter fährt.
Nun soll hier zumindest der Begriff „Rechts“ etwas näher beschrieben sein, damit überhaupt klar wird, was gemeint ist. Bekanntlich wird das Parlament in einem Spektrum „Links“ bis „Rechts“ angeordnet und beschreibt damit die eher progressiven versus den konservativen Kräften in der Gesellschaft. Die Mitte bilden dann die liberalen Kräfte, die wiederum in links- oder rechtsliberale unterschieden werden. Gemäß der bürgerlichen Vorstellung entstehen somit Ränder, die als radikal – im Rahmen der Verfassung – oder als extrem – eben außerhalb – derselben bezeichnet werden. Den Rahmen gibt übrigens der Staat mit seinem Gewaltmonopol vor. In welchem Spektrum die deutschen Parteien angesiedelt sind, bleibt dem Betrachter überlassen. Fragen Sie sich, wo da z.B. die CDU oder die Grünen und andere angesiedelt sind.

Nun gibt es historisch eine ständige Bewegung in den politischen Bewegungen zwischen den Rändern. Mal überwiegt die eine oder auch die andere Tendenz und manchmal wird der Verfassungsrahmen überschritten und extreme Bewegungen (z.B. NSDAP oder SED) übernehmen die Herrschaft im Staate.

Im Jahre 1997 wurde von Waltraud und mir eine Textsammlung mit dem Titel „Tendenz Rechts“ herausgegeben. Fast alle dort beschriebenen Entwicklungen haben sich fast punktgenau realisiert. Fast niemand hat die Warnungen vor den sich anbahnenden esoterischen, anti-aufklärerischen und vor allem völkischen Tendenzen so ernst genommen, wie sie gemeint waren. Als harmlose Spinnereien wurden sie (die Tendenzen) unterschätzt und das heutige Ergebnis der Bundestagswahl war so vorauszusehen.

Noch wird der Rechtsextremismus die Herrschaft nicht übernehmen; doch die Weichen sind gestellt. Die Konstitution der neuen Bundesregierung wird wahrscheinlich die Tendenz Rechts nicht stoppen, sondern nur erträglicher machen. Längst sind Elemente der radikal oder gar extremen Rechten in den Parteien verankert und schwelen wie die Glut, die zum Feuer werden kann. Derzeit sehe ich keine Partei, ob in Herrschaft oder Opposition, die sich mit diesem Phänomen genügend auseinandersetzt. Im Gegenteil, sie fordern Abschiebung, Sicherheit und Wirtschaftswachstum in „diesem schönen Land“.

„Heimat, Regionalismus oder rückwärts gewandter Nationalismus“ statt offener Gesellschaft nicht nur hier, sondern für den ganzen Globus; „Konsens durch Kontroversen“ (sinngemäß) wäre vielleicht auch in Deutschland ein Mittel zur Verhinderung rechter Herrschaft*.

Wie ich schon wiederholt an anderer Stelle gefordert habe, wäre es eine „Hausaufgabe“ für jene, welche die gefährliche Reise nach Rechtsaußen verhindern wollen, ein altes Buch zu studieren und das eigene Bewußtsein zu schärfen.

Studieren Sie „Die völkische Revolution“ von George L. Mosse. Erschienen 1991 im Athenäum Verlag. (Originalausgabe: The Crisis of German Ideology.).

Wie heißt es so schön in vielen politischen Reden heutzutage?: „Die sollen erst mal ihre Hausaufgaben machen“.

Anmerkung:
*Präsident Macron

2016

Dezember 17th, 2016

2016
Das Jahr hat es in vieler Hinsicht „in sich“.
Bedingt durch unseren schon in 2015 initiiertem Bereich „Mensch& Kultur“ blieb die Pflege des Kern-Blog’s „Ideologie und Gesellschaftskritik“ vernachlässigt. Obwohl gerade in letzter Zeit eine große Notwendigkeit bestand zu dieser oder jener gesellschaftlichen Entwicklung Stellung zu beziehen. „Mensch & Kultur“ veranstaltete dafür Vorträge und Diskussionen zu den Themen „Selbstbestimmung und Würde des Menschen – Versprechen oder Wirklichkeit“ mit der Psychologin Aristoula und dem Soziologen Christian Papapopoulos, „Welche Gesellschaft wollen wir?“ mit der Bundestagsabgeordneten von Bündnis90/Die Grünen Corinna Rüffer, „Der Mensch – Ein biologischer Roboter, Eine Kritik des evolutionären Humanismus“ mit dem Politologen Peter Bierl, „Care-Revolution, Wege in eine solidarische Geellschaft“, mit der Prof. Dr. Gabriele Winker, „Und weil der Mensch ein Mensch ist – Aber was hat das mit behinderten und alten Menschen zu ?“ mit dem Papadopoulos-Duo und als Abschluß ein Schauspiel-Monolog mit Christian Wirmer zum „LENZ“ von Büchner.
Diese Tätigkeiten und kurze Stellungnahmen zu dem Flüchten und den Wanderungen von Menschen aus Notgebieten und die teils hässlichen Kontroversen auf Facebook zu den politischen Standpunkten haben auch zur Vernachlässigung des Kern-Blos geführt. Ich gelobe Besserung und Selbstkritik und habe somit einen guten Vorsatz für 2017.
Meine ganz persönliche Stellung zur „Flüchtlingspolitik“, deren Begrifflichkeit derzeit debattiert wird, hier nun in aller Kürze, wobei jeder Satz auch diskutiert werden kann.
Der Gestus der „Willkommenskultur“ ist m.E. ein kluger Schachzug der Staatsführung, dessen Sinn wohl kommerzielle „Gesundung“ der Nation im Gefüge einer globalisierten Welt ist. Wirtschaftlich potente Staaten/Nationen sind die Voraussetzung in der ersten „Weltmachtliga“ mitzuspielen. Man heißt die Flüchtenden oder Wandernden willkommen, aber nur wenn sie gut fürs Geschäft sind. Die jene Voraussetzungen, wie Bildung, Geld, Integrations- und Arbeitswilligkeit nicht mitbringen, werden gnadenlos abgeschoben, womit der Anspuch der Humanität sich als Heuchelei entlarvt. Was man wirklich will ist ein gut funktionierendes kapitalistisches System, nicht mehr und nicht weniger.
Die so genannten progressiven Kräfte, auch „Gutmenschen“ genannt, nehmen solcherlei Tatsachen gar nicht wahr und setzen sich über alle rationalen Einwände weg und pflegen mit allen Mitteln ihr christliches Mitleidscredo und argumentieren mit „Werten“, die es in Europa so nicht gibt, die bestenfalls angestrebt werden. Welches dann die richtigen Werte sind, das wissen die Nationalkulturen immer anm besten und wollen diese, ihre Kultur/Werte den anderen Nationen aufzwingen. Es wird gar nicht diskutiert, es wird in guter autoritärer Tradition bestimmt.
Aber auch die konservativen bis rechten Kräfte (Rechts und Links trifft sich immer in der Mitte und die ist immer nach beiden Seiten offen) übersehen geflissentlich die Tatsache, dass es eine Völkerwanderung gibt, die wahrscheinlich noch Jahrzehnte anhalten wird und selbst Grenzen können das nicht aufhalten. Die wandernden oder flüchtenden Menschen wollen Sicherheit, Reichtum und Glück, genau wie jeder Einheimische oder wie die Eingeborenen auch immer genannt werden.
Es grenzt schon an Debilität, wenn die gegensätzlichen Standpunkte mit einer unerträglichen Ansammlung von Hass und Hetze bis hin zu Mord- oder Todesdrohungen untermauert werden.
Vielleicht sind ja die Kassandra-Rufe, welche derzeit vor einem neuen Faschismus warnen, berechtigt und wir sollten bei den politischen Entwicklungen genauer hinsehen und faschistoide Anzeichen benennen und diskutieren.
Meine Hoffnung geht jedenfalls in die Richtung einer selbstkritischen freiheitsliebenden Gesellschaft, die den Anspruch der Humanität in der globalisierten Welt realisieren will.

Der Pranger

Oktober 21st, 2015

Nun ist es also soweit. Die Bildzeitung will Hassprediger und Beleidiger an den Pranger stellen und von vielen Seiten wird gefordert, dass Strafverfahren gegen Personen eingeleitet werden, die in unflätiger Weise ihre politischen Gegner oder Gegnerinnen bedrohen.
Was ist geschehen?
Ein kleiner (rechts)bürgerlich oder politisch extremistischer Teil der Bürger_innen im schönen Deutschland hatte polemischer Art und Weise gegen die herrschende Politik und deren Vertreter_innen den Aufstand geprobt. Es gab beängstigende Szenen, für die derzeit in großer Zahl angereisten Menschen, die vor den Kriegen in ihren Ländern flüchteten und in friedlichen Staaten Schutz suchten. Deren zur Verfügung gestelltes Obdach wurde von rechtsextremen Randalieren angezündet und zerstört.
Die gegen die Zuwanderung revoltierenden Kleinbürger fühlten sich von der herrschenden Politik im Stich gelassen und nahmen das Widerstandszepter in die eigene Hand.
Die Politik reagierte wie so häufig reflexhaft in fast identischer Hässlichkeit gegenüber den Randalierern. Mehr oder weniger gemeinsam als demokratische Mehrheit von Journalisten und Politiker_innen vorurteilte sie die Masse als faschistisch oder wie sie fälschlich betont als „rechtsradikal“. Die Hässlichkeit der rechten Geste beantwortete sie mit der liberal/linken Abscheulichkeit einer bemerkenswerten Arroganz. Das Falsche daran ist die Bezeichnung als „rechtsradikal“, was schon begrifflich unsinnig ist, da das was stattfindet zwar durchaus extrem ist, aber selten radikal, im Sinne von „an die Wurzel gehend“.
Die da revoltieren wollen nicht „an die Wurzel“ des vermeintlichen Übels gehen, sie wollen mit den extremsten Mitteln die politische Auseinandersetzung mit den Ursachen von Flucht und Vertreibung verhindern. Sie wollen nicht zulassen was gar nicht zu verhindern ist.
Aber die demokratische Herrschaft reagiert, wie meistens Herrscher reagieren. Sie sprechen nicht mit den Menschen, sie unterdrücken sie mit den zur Verfügung stehenden Mitteln. Und immer schon hat diese Vorgehensweise letztlich zu hasserfüllten Reaktionen geführt, überall auf der Welt.
Insofern ist das was wir derzeit erleben ganz normal; die normale Form von Herrschafts-Systemen von politisch links bis rechts und auch alles was dazwischen liegt, bis hin zur goldenen Mitte. Scheinbar sind wir Menschen auf Streit gebürstet und Freundschaft oder Solidarität gibt es selten mal und wenn doch, in relativ kurzen Zeiten.

Eine Regierungserklärung

Oktober 15th, 2015

# Ich war gespannt auf die Regierungserklärung der Kanzlerin am heutigen Morgen. Erhofft hatte ich grundsätzliche Aussagen auf die Situation in Deutschland, der EU und auf die Kritik von vielen Seiten in Bezug auf den Umgang mit der Not der Flüchtlinge und der betroffenen Bürger, Bürgerinnen und den zuständigen Behörden.
Heraus kam ein Sermon von altbekannten Sprüchen und Aussagen aus der Vergangenheit, garniert mit all den Floskeln, deren ich überdrüssig war. Die Einheit Europas inklusive seiner Werte und was alles so das diplomatische Geschick hergibt waren perfekt in Vortragsform gegossen und quasi unangreifbar. Vor allem war alles nicht neu oder gar bahnbrechend für eine Überwindung der Krise. Wie zuvor waren die Einheit Europas hypostasiert und die Werte nicht benannt, da wohl längst bekannt ist, dass die Einheit Europas nicht existiert, sondern bestenfalls angestrebt werden soll. Die Werte vernebeln die Hirne der Menschen, auch der Parlamentarier und sollen wirken wie ein Gebet; „Herr bleibe bei uns“ oder so ähnlich. Kein Wort, was sie meint, wenn sie damit hausieren geht. Vielleicht ist ja gerade, dieser Schamanismus das Erfolgsrezept der Bundeskanzlerin, die nicht umsonst auch „Engel“ genannt werden soll. Sie beschwört und das scheint zu klappen.
Leider war aber auch die Rede der neuen Oppositionsführerin Sahra Wagenknecht kein Leuchtfeuer der Kritik, sondern eine Freud und Humorlose Wiedergabe einer längst überholten antikapitalistischen immer wieder das Gleiche wiederholende Rhetorik, die dadurch nicht besser wird, weil sie zum xten Mal dem immer gleichen Publikum dargeboten wird.
Ein Teil der anwesenden Parlamentarier glänzte durch Langeweile, Getuschel mit den Nachbarn und Spielen am und mit dem Smartphon.
Als dann der Führer der Sozialdemokraten Oppermann in altbekannter arroganter Manier das Wort ergriff habe ich entnervt das Medium ausgeschaltet; ich konnte es nicht mehr ertragen. So also geht parlamentarische Demokratie. Hatte ich zu viel erwartet von den Lenkern und politischen Denkerinnen in diesem Land?
19.10.2015 um 13 Uhr

The Turkish Enigma

Juli 21st, 2015

Amid four intersecting crises, Ankara’s strategy is to be consistently ambiguous.

Source: The Turkish Enigma